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Deutsche Bahn
Ärger wegen scheinbar ausgebuchter Züge

Berlin. Das System der Sitzplatzreservierung der Deutschen Bahn kann den Ticketkauf stoppen, obwohl eigentlich noch Plätze frei sind. Von Werner Kolhoff

Eine Frau aus Niedersachsen wollte kürzlich am Treffen ihrer ehemaligen Abiturklasse in Berlin teilnehmen, verzichtete dann aber auf die Reise. Sie konnte online keinen Sitzplatz mehr reservieren. Alles ausgebucht, hieß es auf „bahn.de“. Sie hätte es trotzdem wagen sollen. Denn bei der Bahn gibt es ein Problem mit scheinbaren Überbuchungen.


Die Ursache: Jeder kann online für mehrere Züge Sitzplätze reservieren, ohne dafür einen Fahrschein zu benötigen. Das Angebot zielt auf Geschäftsleute, die mit einem Flexticket ohne feste Zugbindung reisen, weil sie nicht genau wissen, wann sie fahren. Sie buchen gleichzeitig Plätze in drei, vier oder mehr Zügen. Solange der Vorrat reicht. Die Kosten dafür sind überschaubar. Dafür sitzt man dann ganz sicher. Wie viele Kunden von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, konnte die Bahn auf Nachfrage nicht sagen.

Betroffen sind besonders die stark frequentierten ICE-Strecken. Beim AfD-Parteitag in Augsburg Ende Mai waren praktisch alle Züge von und nach Berlin ausgebucht, und zwar am ganzen Wochenende. In Wirklichkeit gab es noch viele Plätze. Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ hat beobachtet, dass zunehmend auch Privatleute zu dem Verfahren übergehen, vor allem Ältere, die in keinem Fall stehen wollen. Auch können sich Dauerpendler – für mehrere Verbindungen – einen Stammplatz sichern.



Der Fahrgastverband rät deshalb, es trotz scheinbar ausgebuchter Züge zu probieren. Ein Platz finde sich fast immer. „Allerdings nicht Freitag- und Sonntagnachmittag auf stark frequentierten Strecken“, sagt Verbandsexperte Andreas Frank. Zur Not muss man stehen. Allerdings können Fahrgäste bei Überfüllung herauskomplimentiert werden.

Bei (scheinbar) ausgebuchten Zügen kann man online auch keine Tickets mehr kaufen. Doch wer sich auskennt, klickt für Flextickets, die den ganzen Tag gelten, einfach eine andere Verbindung an. Die Bahn selbst rät zum Kauf am Schalter. Dort könne man immer eine Karte für jeden Zug erwerben, auch für ausgebuchte.