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Arbeitsmarkt
„Ältere sind genauso lernfähig wie Jüngere“

Eine ältere Mitarbeiterin der Deutschen Post sortiert Briefe. Immer noch bevorzugen viele Unternehmen jüngere Beschäftigte.
Eine ältere Mitarbeiterin der Deutschen Post sortiert Briefe. Immer noch bevorzugen viele Unternehmen jüngere Beschäftigte. FOTO: dpa / Jan Woitas
Saarbrücken. Frühere Saar-Ministerinnen werben bei Firmen für die Beschäftigung von Mitarbeitern, die 55 oder älter sind. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Sie haben es noch drauf, die früheren Saar-Ministerinnen Barbara Wackernagel-Jacobs (67) und Marianne Granz (76, beide SPD). Granz warb auf einer Veranstaltung, die sich um die Chancen älterer Arbeitnehmer drehte, dafür, Frauen und Männer jenseits des 55. Lebensjahrs genauso zu fordern wie die Jüngeren. „Sie arbeiten konzentriert und zielgerichtet, sind loyal, krisenresistent und tolerant.“ Für jedes gemischte Team „sind sie ein Bereicherung“.


Granz sprach auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saaland, die „55+ – Chancen für ältere Arbeitnehmer und Unternehmen“ zum Thema hatte. Mitveranstalter war das Netzwerk Europ‘age Saar-Lor-Lux, dessen Präsidentin Granz ist und das sich unter anderem für das bessere Verständnis zwischen den Generationen einsetzt.

Auch Wackernagel-Jacobs beschäftigt sich schon länger mit der Lebensphase jenseits der 50, „wo wir noch rund 30 gesunde Jahre vor uns haben können“. Sie hat darüber mit ihrer Produktionsgesellschaft Carpe Diem einen 60-minütigen Dokumentarfilm (Sputnik Moment) gedreht und ein gleichnamiges Buch herausgegeben. „Ältere sind genauso lernfähig wie Jüngere“ ist sie spätestens sei den Recherchen zu Film und Buch überzeugt. Die dürften sich „nur nicht verzwergen“, was heißt, sich nichts mehr zutrauen. „Der Gedanke, dass ich etwas nicht mehr lernen kann, muss aus den Köpfen“, sagte die Ex-Politikerin.



Dennoch „beschäftigen sich erst 15 Prozent der Unternehmen damit, wie sie ältere Menschen besser in den Arbeitsprozess eingliedern können“, kritisierte Christoph Zeckra, der den Bereich gesellschaftliches Engagement beim Versicherungskonzern Generali betreut. Meist würden die Firmen erst wachgerüttelt, „wenn ein akuter Fachkräftemangel droht“.

Sehr gute Erfahrung mit älteren Mitarbeitern hat der Saarbrücker    Kreditkarten-Dienstleister Pluscard gemacht. „Vor allem im telefonischen Kundenkontakt können sie ihre Lebenserfahrung einbringen“, sagte Personalentwickler Wilke Strube. Häufig seien die Anrufer in Notsituationen, wenn ihnen beispielsweise ihre Kreditkarten gestohlen wurden. „Die Älteren können die Kunden dann viel besser beruhigen und ihnen weiterhelfen als Jüngere“, so Strubes Erfahrung. Rund ein Viertel aller Pluscard-Mitarbeiter seien über 50 Jahre alt.

Aus dem Publikum wurde kritisch angemerkt, dass Menschen, die 65 Jahre alt sind und mehr als 40 Berufsjahre vorweisen können, „auch ein Recht auf Rente haben müssen“. Ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden, sei nicht in Ordnung.