| 21:07 Uhr

Lange Nacht der Industrie im Saarland
„Sehen, wie die Dinge entstehen“

Bei Bosch erklärte Christoph Huwig, wie Common-Rail-Ventile für Diesel-Motoren montiert werden.
Bei Bosch erklärte Christoph Huwig, wie Common-Rail-Ventile für Diesel-Motoren montiert werden.
Homburg/Saarbrücken. Die Lange Nacht der Industrie lockt nicht nur künftige Auszubildende. 830 Besucher haben am Donnerstag hinter die Kulissen geschaut. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Elisabeth Klesen und Ivan Zaffino sind fast schon die Idealbesetzung für die Lange Nacht der Industrie. Beide studieren an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Und sie schauen sich in der saarländischen Industrie schon einmal um, ob sie dort vielleicht nach ihrem BWL-Studium einen potenziellen Arbeitgeber entdecken. „Da passt die Lange Nacht der Industrie recht gut“, sagt Zaffino. Ein wenig Neugierde auf die Betriebe sei aber auch dabei, ergänzt Klesen. „Es ist schon interessant zu sehen, wie die Dinge, die man ja täglich benutzt, entstehen.“ Klesen und Zaffino waren am Donnerstagabend auf der Tour dabei, die Bosch und Bosch-Rexroth sowie Michelin besucht hat.


Unterschiedlichste Zielgruppen soll die Lange Nacht der Industrie ansprechen, sagt deren Initiator Jürgen Henke. Er ist Geschäftsführer der Hamburger Agentur Prima Events, die die Lange Nacht im Saarland bereits zum achten Mal veranstaltet – deutschlandweit war es sogar bereits die 70. Veranstaltung dieser Art. „Rentner sind unter den Gästen ebenso dabei wie Schüler und Studenten“, sagt Henke. Und somit diene dieser Einblick in die heimische Industrie verschiedenen Zielen. Bei Schülern und Studenten ist die Hoffnung, künftigen Nachwuchs zu generieren. Bei den älteren Bürgern wiederum kann durch diese Veranstaltungen auch mehr Aktzeptanz für die Wirtschaft entstehen. „Und vielleicht haben die ja auch Kinder und Enkel, denen sie dann ein Unternehmen empfehlen“, sagt Henke.

Mit 830 Teilnehmern in diesem Jahr habe die Lange Nacht nichts von ihrer Attraktivität verloren, sagt Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der ME Saar, gemeinsam mit der IHK Mitveranstalter der Langen Nacht. „Hier zeigt sich die Crème de la Crème der Arbeitgeber im Saarland“, sagt er. Die Unternehmen würden auch profitieren, denn dadurch, dass die Besucher die Betriebe schon einmal kennengelernt haben, kämen letztlich auch bessere, weil zielgerichtetere Bewerbungen. Auch Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der IHK, hält die Veranstaltung für eine gute Gelegenheit, bestimmte Berufe in der Praxis kennenzulernen. „Es gibt heute 330 Berufsbilder bei der IHK. Da blickt ja keiner mehr durch.“



Ein solcher Beruf ist beispielsweise die Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen. Was landläufig der Briefträger ist, ist nämlich ein Lehrberuf, der eine zweijährige Ausbildung verlangt. Auch die Post, die gestern ihr Zustellzentrum im Industriegebiet Süd in Saarbrücken für die Besucher öffnete, hofft darauf, durch die Lange Nacht Nachwuchs zu finden. Möglichkeiten gebe es viele, sagt Niederlassungsleiter Frank Steinbrenner. Vom LKW-Fahrer über den Briefträger bis hin zu Werkstudenten seien viele Ausbildungen möglich.

16 Unternehmen haben für die Lange Nacht der Industrie am Donnerstagabend ihre Türen geöffnet. Von Festo über Hager bis hin zu Michelin und Saar-Gummi. Bei der Teilnahme gebe es immer wieder Wechsel, sagt Malter. Das liege häufig daran, dass es in den Unternehmen Großinvestitionen gebe, die solch eine Besichtigung nicht möglich machen. Und es nutze nicht nur den Besuchern, sondern auch den Firmen, sagt Astrid Wilhelm-Wagner, die bei Voit in St. Ingbert für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Für die Mitarbeiter sei es motivierend, ihren Arbeitsplatz ins richtige Licht gerückt zu sehen.

Für Timm Stegentritt von Bosch in Homburg ist es gar keine Frage, dass der Konzern bei der Langen Nacht dabei ist. „Wir sind einer der größten Arbeitgeber im Saarland. Da lohnt es sich schon zu zeigen, was wir hier für junge Menschen bieten können.“ Und auch trotz der Diesel-Krise werde das aktuell stark vom Diesel abhängige Werk weiter eine wichtige Rolle spielen, sagt er.

Dass die Lange Nacht keine Einmal-Erfahrung sein muss, zeigt das Beispiel von Urs Buschauer, Schüler am Otto-Hahn-Gymnasium, der schon zum zweiten Mal dabei ist. Ebenso wie die HTW-Studentin Flora Carole Tandah: Sie war schon im letzten Jahr bei der Langen Nacht und sucht jetzt für ihre Bachelor-Arbeit eine Stelle als Werkstudentin.

BWL-Studentin 
Elisabeth Klesen 
schaut sich bei der Langen Nacht der Industrie ebenso wie...
BWL-Studentin Elisabeth Klesen schaut sich bei der Langen Nacht der Industrie ebenso wie...
...ihr Kommilitone Ivan Zaffino nach einem potenziellen Arbeitgeber im Saarland um.
...ihr Kommilitone Ivan Zaffino nach einem potenziellen Arbeitgeber im Saarland um.