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Gründerinnentag
Einblicke in das Gründerinnen-Leben

 Martina Welsch (links) und Silke Freudenberg haben beim Gründerinnentag von ihren erfolgreichen Wegen in die Selbstständigkeit erzählt.
Martina Welsch (links) und Silke Freudenberg haben beim Gründerinnentag von ihren erfolgreichen Wegen in die Selbstständigkeit erzählt. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Talkrunden und Motivationsvorträge rund um die Selbstständigkeit gab es beim siebten Saarländischen Gründerinnentag. Von Nina Drokur

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland war am Freitag fest in Frauenhand. Rund 170 Gründerinnen, Unternehmerinnen und Frauen, die es werden wollen, hatten sich zum siebten Saarländischen Gründerinnentag der Saarland Offensive für Gründer angemeldet, um sich rund um das Thema Selbstständigkeit zu informieren. Ein Rekord, verkündet Moderatorin Kathrin Fries.


Martina Welsch hat den Sprung in die Selbstständigkeit bereits gewagt. Die 44-Jährige hat im vergangenen Jahr einen Hörakustik-Laden in Blieskastel eröffnet. Sie kann den Zuhörerinnen – und dem vereinzelten Zuhörer – im großen Saal der IHK also noch frisch von ihrem Weg erzählen. Mit 15 hatte sie bereits die Ausbildung zur Hörakustikerin begonnen, war mit 21 Deutschlands jüngste Meisterin in ihrer Profession. Aus ihrer Klasse, erinnert sich Welsch, haben sich nur die Männer selbstständig gemacht. Sie sei die einzige Frau. Nicht ungewöhnlich, denn noch immer wagen Männer häufiger den Schritt in die Selbstständigkeit als Frauen. Die Entwicklung der Selbstständigenquote, also der Anteil der Selbstständigen an Erwerbstätigen, zeigt laut Wirtschaftsministerium aber, dass sich die Situation im Saarland gerade bei den Frauen leicht verbessert hat: Im Jahr 2014 lag die Selbstständigenquote der Frauen im Saarland bei 5,3 Prozent im Jahr 2017 bei 6,8 und hat damit in etwa das Bundes-Niveau erreicht. Bundesweit ist die Selbstständigenquote allerdings rückläufig – auch bei Männern.

Martina Welsch hat mit zu der Entwicklung im Saarland beigetragen. Lange Zeit hat sie als Angestellte gearbeitet. In ihrer alten Filiale sei sie unglücklich gewesen, vor allem über veraltete Technik. Als Angestellte hatte sie keinen Einfluss auf die Produkte. Zusammen mit ihrem Team habe sie sich dann für den eigenen Laden entschieden. „Als der Gedanke gefasst war, war es relativ leicht“, sagt sie. Deshalb rät sie allen, die den Sprung in die Selbstständigkeit in Erwägung ziehen: „Man muss mutig sein, sich nicht so viele Gedanken machen“. Natürlich gehöre auch eine Portion Realismus dazu. Aber dabei hätten ihr die Beratungsangebote etwa der Handwerkskammer sehr geholfen.



Über diese Beratungsangebote informieren beim Gründerinnentag Nicole Wehrum von der IHK und Monika Blum von der Handwerkskammer des Saarlandes. Ansprechpartner für finanzielle Fragen ist Elke Lorson von der Saarländischen Investitionsbank. Ihr Programmpunkt „Gründerinnenwissen kompakt“ ist vollgepackt mit den wichtigsten Informationen zu allen „Bauchweh-Themen“, wie Moderatorin Fries es nennt. Ein wichtiger Punkt, den Lorson anspricht: Genau wissen, wann das erste Geld fließt. „Sonst entsteht schnell eine Finanzierungslücke.“ Auch häufig vernachlässigt werde der emotionale Aspekt, merkt Blum an. „Man muss nachts noch schlafen können.“

Im Publikum sitzt Katharina Stenger. Die 29-Jährige saugt die Informationen, die die Beraterinnen geben, wie ein Schwamm auf, sagt sie. Sie ist Psychotherapeutin und Model. Was zunächst nach einer ungewöhnlichen Kombination klingt, geht in einem interessanten Konzept auf. So gibt sie etwa Seminare, in denen es um die Themen Mode und Selbstbewusstsein geht. Jetzt will auch sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Die Idee steht schon: eine Psychologen-Praxis im Netz. Auch am Businessplan feilt sie schon. Beim Gründerinnentag gefällt Katharina Stenger vor allem die Fülle an Beratungsangeboten.

Der Weg in die Selbstständigkeit ist ein Prozess, sagt Blum. Vom ersten Gedanken über das erste Gespräch bis hin zu Gründung können Jahre vergehen. „Aber es gibt immer eine Lösung.“