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Abbau von fast 200 Stellen
Saint-Gobain PAM baut fast zwei Drittel der Stellen ab

Luftaufnahme des Werks in Brebach
Luftaufnahme des Werks in Brebach FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der Gießerei-Standort in Brebach blickt auf eine über 250-jährige Geschichte zurück. Jetzt scheint diese Epoche zu Ende zu gehen. Saint-Gobain PAM will sein Gussrohr-Geschäft komplett nach Frankreich verlegen. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

In Brebach gehen nach und nach die Lichter aus, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Während die Mitarbeiter der Gießerei Neue Halberg Guss schon seit Monaten im Streit mit dem Eigner Prevent ums Überleben ihres Traditionsbetriebs kämpfen, wird nun wenige Meter weiter ein anderer Guss-Standort Geschichte, der unter dem Namen Halberg Hütte auf eine über 250-jährige Geschichte zurückblickt.


Guss-Geschäft geht nach Lothringen



Am Dienstag hat der Rechtsnachfolger der Halberger Hütte, die Saint-Gobain PAM angekündigt, das Rohrguss-Geschäft komplett nach Lothringen zu verlegen. Der Großteil der aktuell noch 285 Arbeitsplätze ist davon betroffen. In Brebach sollen ab Ende 2019 dann nur noch 100 Mitarbeiter Rohre mit Spezialbeschichtungen und Flanschrohre fertigen. In diesem Bereich soll auch weiter investiert werden, teilte das Unternehmen mit.

Die Gießerei bei Saint-Gobain in Brebach wird erkalten.
Die Gießerei bei Saint-Gobain in Brebach wird erkalten. FOTO: BeckerBredel / BeckerBredel/ck

Rohr-Markt eingebrochen

Grund für die Entscheidung sei eine seit Jahren anhaltende Schwäche am Rohrmarkt, sagt Burkhard Schmolck, Geschäftsführer des Saarbrücker Standorts. Außerdem habe die Konkurrenz am Weltmarkt erheblich zugenommen, so dass es auch kaum noch möglich sei, für Qualitätsrohre – die Produkte aus Saarbrücken sollten eine Haltbarkeit von 150 Jahren garantieren – auch auskömmliche Preise zu erzielen. Auf europäischer Ebene sei es also nötig gewesen, die Produktion zu bündeln.

Verhandlungen mit Arbeitnehmern

Heute hat das Management den Mitarbeitern in einer Informationsveranstaltung die Entscheidung bekannt gegeben. Nun sollen in weiteren Schritten Lösungen erarbeitet werden, um den von der Teilverlagerung betroffenen Mitarbeitern „die besten Perspektiven“ zu bieten. Schmolck will einerseits mit anderen unternehmen sprechen, um Fachkräfte zu vermitteln, Mitarbeiter sollen das Angebot bekommen, an andere Standorte zu wechseln, auch eine Transfergesellschaft zur Qualifizierung sei möglich. Morgen sollen dazu Gespräche mit dem Betriebsrat stattfinden.

Chance mit Zukunftsbereich

Die Konzentration des Standorts Saarbrücken auf die Spezialrohre sieht Schmolck auch als Chance, denn dieser Bereich sei letztlich ein Wachstumsmarkt. Was nichts daran ändere, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Saarbrücken massiv zurückgehe.

Standort soll erhalten bleiben

Auch wenn jetzt ein Großteil der Mitarbeiter wegfällt, der Standort in Saarbrücken soll Schmolck zufolge auf jeden Fall erhalten bleiben. Denn dort stünden ja zahlreiche Anlagen und Maschinen, in die nun auch weiter investiert werde. Dass Saint-Gobain dann in Brebach auch künftig freie Flächen haben werde, sei möglich. Über deren Nutzung werde dann aber erst in Zukunft diskutiert.

40,8 Milliarden Euro Jahresumsatz im Konzern

Saint Gobain ist ein weltweit tätiger Konzern mit insgesamt 179 000 Mitarbeitern in 67 Ländern. Der Jahresumsatz beträgt 40,8 Milliarden Euro. Der Sektor Bauprodukte, zu der auch die Sparte Kanalisation gehört, hatte 2015 einen Umsatzanteil von rund 28 Prozent.