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Neuanfang für Saarbrücker Gießerei
Saar-Politiker freuen sich über Verkauf von Halberg Guss

Die Mitarbeiter der Neue Halberg Guss bejubeln die Nachricht vom Verkauf. Manche weinen Freudentränen.
Die Mitarbeiter der Neue Halberg Guss bejubeln die Nachricht vom Verkauf. Manche weinen Freudentränen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Erleichterung in der saarländischen Politik über den Verkauf der Saarbrücker Gießerei. Oskar Lafontaine mag jedoch in den Jubel nicht einstimmen und bremst die Euphorie. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Der Verkauf der Neue Halberg Guss hat positive Reaktionen in der saarländischen Politik ausgelöst. „Endlich sehen wir eine Perspektive für die Neue Halberg Guss. Ich bin sehr erleichtert“, sagte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Wir haben mit dem neuen Besitzer One Square Advisors einen erfahrenen Geschäftspartner. Das Ziel muss es sein, in neue Produkte, Märkte und Anlagen zu investieren, um die Zukunftsfähigkeit der Standorte und vor allem die Arbeitsplätze zu sichern.“ Auch Marc Speicher, industriepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion bewertet die Transaktion positiv: „Nach Wochen und Monaten der Ungewissheit und einer insbesondere für die Mitarbeiter beklemmenden Zeit ist dies endlich ein Hoffnungsschimmer.“


Das auf Sanierungen spezialisierte Münchener Unternehmen One Square Advisors hatte am Donnerstag den Kaufvertrag unterzeichnet. Die Mitarbeiter bejubelten den Verkauf, weil damit eine elf Monate lange Leidenszeit vorüber ist. Alle 1800 Beschäftigten in Saarbrücken und Leipzig werden erst einmal übernommen. Unter der als Heuschrecke verschrienen Prevent-Gruppe drohte ein radikaler Job-Kahlschlag und die Schließung des Werks in Saarbrücken, nachdem wichtige Kunden mit aggressiver Preispolitik und Lieferstopps vergrault worden waren (wir berichteten).

Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Saar-Linken, sieht den neuen Eigentümer nicht nur positiv.
Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Saar-Linken, sieht den neuen Eigentümer nicht nur positiv. FOTO: BeckerBredel


Oskar Lafontaine, Chef der Linksfraktion des Landtags, ist allerdings nicht durchweg begeistert von der Entscheidung. „Es ist gut, dass es endlich einen neuen Eigentümer gibt und so die Zerstörung von Arbeitsplätzen gestoppt wird“, sagt er. Doch er befürchtet, dass One Square Advisors „seine Anteile bei Halberg Guss nach erfolgreicher Sanierung wieder veräußern will“. Deshalb plädiert Lafontaine längerfristig für eine Belegschaftsbeteiligung, verbunden mit einer Stiftungslösung. Dies biete die Gewähr dafür, dass nicht wieder irgendein Investor das Unternehmen erwerbe, um einen schnellen Gewinn zu machen und dann weiter veräußere.

Frank Günther, Geschäftsführer von One Square Advisors, will die Neue Halberg Guss aus der Talsohle führen.
Frank Günther, Geschäftsführer von One Square Advisors, will die Neue Halberg Guss aus der Talsohle führen. FOTO: BeckerBredel

Frank Günther, Geschäftsführer von One Square Advisors, gibt zu, dass auf lange Sicht ein Weiterverkauf angepeilt sei. Sein Unternehmen sei „nicht auf ewig der richtige Eigentümer“, sagte er, aber es sei „ein guter Eigentümer“, um die Motorblock-Gießerei „aus der Talsohle zu bekommen“. Und das dauere auf jeden Fall Jahre. Zunächst reiche das Sanierungskonzept bis 2023. Nach dem Drama mit Prevent wird die Gießerei umbenannt. Eine Dachgesellschaft namens Avir Guss Holding wird gegründet. Sie umfasst die Gusswerke Saarbrücken und Gusswerke Leipzig als einzelne Firmen.

One Square Advisors bezeichnet sich selbst als „die führende unabhängige Finanzrestrukturierungsberatung in Deutschland“. Seit 2008 könne das Unternehmen auf 200 abgeschlossene Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 15 Milliarden Euro zurückblicken.