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Offener Brief
Saarländische Busfahrer melden sich zu Wort

Auch am Busbahnhof in St.Wendel blieben am Warnstreik-Tag vor gut zwei Wochen Busse stehen.
Auch am Busbahnhof in St.Wendel blieben am Warnstreik-Tag vor gut zwei Wochen Busse stehen. FOTO: B&K / Bonenberger/
Saarbrücken. Im Arbeitskampf zwischen Busfahrern und privaten Arbeitgebern (wir berichteten) haben sich nun die Busfahrer zu Wort gemeldet. Hier der offene Brief, den die Busfahrer über die Gewerkschaft Verdi veröffentlicht haben, im Wortlaut:

„Liebe Schülerinnen und Schüler,


liebe Eltern,

Wir sind die Busfahrerinnen und Busfahrer, die euch jeden Morgen zur Schule bringen und jeden Nachmittag wieder abholen. Wir haben selbst Kinder, die jeden Tag auf den Schulbus angewiesen sind und wir wissen daher, wie wichtig eine zuverlässige und sichere Fahrt zur Schule ist. Wir wissen auch, dass ein Streik eine erhebliche Belastung für euch und alle Fahrgäste ist. Es ist eine Störung im sonst funktionierenden Ablauf. Ihr Schüler kommt nicht rechtzeitig zur Schule und die Eltern müssen plötzlich mit dem Auto einspringen und Fahrgemeinschaften bilden. Der Streik am 18.10. führte zu Situationen, in denen Schüler Teilstrecken zu Fuß gehen mussten (750m), weil der Kollege sich dem Streik anschloss.*



Deswegen streiken wir nicht gerne. Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht und es ärgert uns genauso wie unsere Fahrgäste, wenn unser Job nicht gut läuft. Aber wir sehen keine andere Möglichkeit mehr.

Um Geld zu sparen wurden durch Ausschreibungen in den letzten Jahren viele Schulstrecken an private Busunternehmen vergeben, bei denen wir arbeiten. Dieses Sparprogramm ging auf Kosten unserer Arbeitsbedingungen. Wir verdienen wenig und arbeiten hart. Wir haben häufig 10 bis 15-Stunden-Schichten. Wir arbeiten 6 Tage die Woche. Das geht auf unsere Gesundheit, aber auch auf Kosten der Sicherheit. Darum setzen wir uns für gerechte Arbeitsbedingungen ein. Unsere Chefs weigern sich bisher mit uns darüber zu verhandeln. Die verantwortlichen Politiker von CDU und SPD könnten handeln und die Vergabe von Linien an echte Tarifverträge und gute Arbeitsbedingungen knüpfen, tun es aber bisher nicht. Wenn sich das nicht ändert, müssen wir wieder streiken.

Wir denken, dass es ein gemeinsames Interesse von uns, Euch und Ihnen ist, zufriedene und ausgeruhte Menschen am Steuer des Busses sitzen zu haben, der Euch und Ihre Kinder jeden Tag zur Schule bringt.

Gerne erarbeiten wir mit Elternvertretern gemeinsam Möglichkeiten, um auch die privaten Arbeitgeber davon zu überzeugen ihre Blockadehaltung, die uns, aber auch den Fahrgästen und Schülerinnen und Schülern schadet, überwunden wird. Die verantwortlichen Politiker müssen endlich ihren Einfluss auf die privaten Busunternehmen ausüben und eine Lösung herbeiführen.

Wir laden dazu alle Eltern- und Schülervertreter zu einem gemeinsamen Eltern- und Schülerabend am 12.11. um 18 Uhr ins ver.di Haus nach Saarbrücken ein.

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, wir bitten um Verständnis für unsere Situation und hoffen auf Ihre Unterstützung.

Sandrine Lauer (Busfahrerin bei Bur)

Patrick Kempf (Busfahrer bei Feld-Fischer)

Werner Schmitt (Busfahrer bei Baron)

Detlef Horne (Busfahrer bei Saarmobil)

Luigi Timpano (Busfahrer bei Baron)

Ute Wanitschek (Busfahrerin bei Bur)

Dietmar Schmitt (Busfahrer bei Horst-Becker)

Patricia Mohr (Busfahrerin bei Feld-Fischer)

Christine Marowsky (Busfahrerin bei Saarmobil)

Claudia Selzer (Busfahrerin bei Harz)

*Informationen zum Ablauf von mobilen Streikinformationsständen an Bushaltestellen:

Die Streikleitung hat am 18.10.2018 eine mobile Informationsstelle für Busfahrer eingerichtet, die an Haltestellen das Gespräch mit Busfahrern geführt hat.

So wurde dem Recht jedes Beschäftigten in einem zum Streik aufgerufenen Unternehmen nachgekommen, sich ausführlich zu informieren und beraten zu lassen, da die Entscheidung zum Streik eine persönliche und oftmals nicht einfache ist.

Alle Passagiere der Busse wurde an den wenigen betroffenen Haltestellen (insgesamt 2 Haltestellen und fünf Busse) über die unmittelbare Störung durch den Streik informiert und auf alternative Busse der kommunalen Unternehmen verwiesen, die an diesem Tag nicht zum Streik aufgerufen waren.

Waren Schülerinnen und Schüler als Fahrgäste zu identifizieren, so an der Haltestelle Heinestraße in Völklingen (gegenüber Gemeinschaftsschule Sonnenhügel), wurden sie nach der Länge des noch vor ihnen liegenden Schulweges befragt. In allen Fällen waren es Schülerinnen und Schüler aus Schulen, die unmittelbar an den betreffenden Bushaltestellen lagen (Gemeinschaftsschule Sonnenhügel, Gemeinschaftsschule Hermann-Neuberger und Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium) oder einen Fußweg von 750m zum Albert-Einstein-Gymnasium vor sich hatten.“