| 20:35 Uhr

Diesel-Debatte
Zahlen ersetzen keine Debatte

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Die Zahlen klingen dramatisch. 6000 Menschen, die vorzeitig wegen der Stickoxidbelastung an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben. Auf diese beängstigende Zahl schnurren die 172 Seiten Studie zusammen, wenn sie zur Nachricht werden. Dabei geht schnell unter, dass die Zahl nicht Tatsachen spiegelt, sondern auf Schätzungen beruht und Unwägbarkeiten enthält. Nur zwei Beispiele: Die Ergebnisse basieren auf Daten der Todesursachenstatistik. Kürzlich zeigte eine Studie, dass viele Todesbescheinigungen Fehler haben. Zweites Beispiel: Es ist schwer abzugrenzen, inwieweit Stickoxide oder aber Feinstaub Krankheiten auslösen. Fehler hier und offene Fragen dort nehmen der Studie ihre Eindeutigkeit. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Es geht nicht darum, die gesundheitsschädliche Wirkung der Stickoxide kleinzureden, doch die Zahlen, die nach Verboten schreien, muss man relativieren. Hinzu kommt: Rauchen verursacht ebenfalls Tausende Todesfälle im Jahr. Trotzdem sind Zigaretten erlaubt. Die Zahlen der Stickoxid-Studie ersetzen also nicht die gesellschaftliche Debatte über Risiken und Nutzen von Diesel-Autos. Auch werden Argumente pro Diesel, wie das Erreichen von CO2-Klimazielen und der Erhalt von Arbeitsplätzen, nicht durch die Studie entwertet.