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Weil viele Gründer scheitern
Verband wünscht sich „Meisterbrief“ für Wirte

In der Gastronomie scheitern viele Gründer, beklagt Dehoga im Saarland.
In der Gastronomie scheitern viele Gründer, beklagt Dehoga im Saarland. FOTO: picture-alliance/ dpa / Roland Weihrauch
Saarbrücken. Meisterköche gibt es im Saarland einige. Der Gaststättenverband Dehoga wünscht sich nun Meisterwirte. Damit nicht jeder ein Restaurant eröffnen kann. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

„Jeder kann Wirt werden“, sagt Dehoga-Geschäftsführer Frank C. Hohrath: „Mit einem unauffälligen polizeilichen Führungszeugnis und einer steuerlichen Unbedenklichkeit ist man im Prinzip dabei.“ Seinem Landesverband ist das zu wenig. Er wünscht sich einen Befähigungsnachweis – wie den Meisterbrief.


Meisterbrief für Gastwirte?

„Wir hätten gerne einen Befähigungsnachweis für diejenigen, die keinen gastgewerblichen Beruf erlernt haben“, sagt Dehoga-Präsidentin Gudrun Pink. Denn Gastronomie sei ein knallharter Job für Leute vom Fach.



Ausbildungsinhalte gäbe es für Pink genügend. Die Hotelbetreiberin aus Saarbrücken nennt den Jugendschutz, den allgegenwärtigen Brandschutz oder die Kennzeichnung von Allergenen – all das werde derzeit nicht verpflichtend unterrichtet. Aber ihr geht es auch um die Vermittlung betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Grundkenntnisse.

Ein Drittel der Gründer scheitert

Nach Angaben von Dehoga scheitert in der Gastronomie ein Drittel der Gründer innerhalb der ersten drei Jahre. „Die hohe Quote an gescheiterten Gründungen macht deutlich, dass hier erheblicher Beratungsbedarf besteht“, sagt Geschäftsführer Hohrath.

Tatsächlich gibt es in der Gastronomie längst Meisterschulen. Für angehende Küchenmeister, Restaurantmeister, Hotelmeister. Es handelt sich um eine Zusatzqualifikation für Gastro-Profis. Fragt sich: Worum geht es Dehoga im Saarland?

Der „Meisterbrief“ als Grundkurs für Quereinsteiger

Was der Verband jetzt fordert und „Meisterbrief“ nennt, ist ein Grundkurs für Quereinsteiger. Denn der Anteil von Ungelernten in Restaurants und Kneipen ist hoch. In der Gastronomie seien gelernte Gastronomen in der Minderheit, hieß es 2014 in einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung. Nicht einmal jeder Fünfte der im Gastgewerbe Tätigen habe in der Branche einen Beruf gelernt. Zum Vergleich: Laut Bertelsmann Stiftung sind 21 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland formal unterqualifiziert.