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Europa-Chef Steven Armstrong
Ford-Werk Saarlouis unter Druck

 Großen Erwartungen, man könne in Saarlouis künftig massiv auf Elektromobilität setzen, erteilte Herrmann einen Dämpfer.
Großen Erwartungen, man könne in Saarlouis künftig massiv auf Elektromobilität setzen, erteilte Herrmann einen Dämpfer. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarlouis. Der Druck auf das Saarlouiser Ford-Werk wächst. Ford-Europa-Chef Steven Armstrong sagte, die Kosten an allen europäischen Standorten müssten schnell und effektiv gesenkt werden. Nur so sei es möglich, schnell wieder die Gewinnzone zu erreichen und Standorte auch langfristig zu sichern. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Dazu gehöre auch ein möglichst schnelles Ende der Produktion des C-Max und Grand C-MX IM Werk Saarlouis. Dieses Modell werde immer weniger nachgefragt. Davon wären laut „Handelsblatt“ bis zu 700 Beschäftigte betroffen. Entsprechende Gespräche zum Ende der Produktion sollen schnell mit den Arbeitnehmervertretern geführt werden. Ford strebe an den europäischen Standorten einen Personalabbau sowohl im gewerblichen als auch kaufmännischen Bereich an. Zuvor hatte Armstrong bereits in einem Interview gesagt, es könne sich um eine Größenordnung von mehreren tausend Mitarbeitern handeln. Nähere Details wurden am Donnerstag noch nicht genannt.


Armstrong kündigte zudem an, Ford wolle künftig in Europa massiv auf die Elektromobilität setzen. Nahezu alle profitablen Modelle sollen künftig auch in einer Elektro-Variante angeboten werden. Hinzu kämen auch komplett neue Elektrofahrzeuge. Man wolle in Europa künftig mit zu den größten Anbietern von Elektromobilität gehören. Zudem werde Ford „weniger profitable Modellreihen optimieren oder sich aus diesen zurückziehen sowie Märkte mit einem schwächeren Potenzial überprüfen“. Ziel aller Maßnahmen sei es, das Europa-Geschäft von Ford neu aufzustellen. Dazu gehöre die Erhöhung der Profitabilität der gesamten Modellpalette, die Reduzierung der Komplexität des bestehenden Modellangebotes, die Konzentration auf umsatzstarke Fahrzeugvarianten sowie eine deutliche Steigerung des Absatzes.



Im Werk Saarlouis besteht zwischen der Unternehmensleitung und den Arbeitnehmern eine Standort-Sicherungs-Vereinbarung, die bis Mitte 2022 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann hatte kürzlich in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung auf inzwischen veränderte Marktbedingungen hingewiesen und die Arbeitnehmervertreter aufgefordert, erneut Gespräche zu führen, um die Zukunft des Werkes auch langfristig sicherzustellen. Künftige Investitions-Entscheidungen seien auch abhängig von der Mitwirkung der Belegschaft. Über eventuelle Investitionen müsse bis zum Jahr 2021 entschieden sein. Sie könnten dann ab 2024 umgesetzt werden. Was genau künftig in Saarlouis produziert werden könne, sagte Herrmann nicht. Großen Erwartungen, man könne in Saarlouis künftig massiv auf Elektromobilität setzen, erteilte Herrmann einen Dämpfer. Dafür müsse das Werk massiv umgebaut werden. Und für die Herstellung von Elektrofahrzeugen benötige man deutlich weniger Mitarbeiter. Es gehe vielmehr auch darum, welches Modell nach der erst 2018 eingeführten neuen Focus-Generation künftig in Saarlouis produziert werden könne.