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Kampf gegen Hochgeschwindigkeitshändler
Deutsche Börse testet „Tempolimit“ für Broker

 Auf dem Parkett der Börse in Frankfurt wird schon lange nur noch wenig gehandelt (Symbolbild).
Auf dem Parkett der Börse in Frankfurt wird schon lange nur noch wenig gehandelt (Symbolbild). FOTO: dpa / Arne Dedert
Es geht um eine Tausendstel-Sekunde. Um diesen Zeitraum werden in einer Testphase elektronische Handelsaufträge im Orderbuch Eurex gebremst, um den superschnellen Hochfrequenzhändlern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Im Börsenhandel gilt bislang: Wer schneller reagiert, macht das Geschäft. Nun will die Deutsche Börse erstmals ein Tempolimit einführen, um "aggressive" Investoren auszubremsen, wie eine Sprecherin am Dienstag sagte. Die Derivatebörse Eurex, eine der größten weltweit, wird demnach ab Juli eine Zwangspause für den Handel mit Optionen auf französische und deutsche Aktien einführen. Der Test soll zunächst ein halbes Jahr dauern und könnte dann auch auf andere Derivate ausgeweitet werden.


Optionen geben Anlegern das Recht, eine festgelegte Anzahl von Aktien zu einem vorab festgelegten Preis und Datum zu kaufen oder zu verkaufen. Geben Händler nun ein Angebot zum Kauf oder Verkauf einer entsprechenden Option im Orderbuch von Eurex auf, wird dieses mindestens für eine Tausendstel-Sekunde dort eingefroren. Das soll allen Teilnehmern die Chance geben, sich auf Marktveränderungen einzustellen.

Bislang verdienen nämlich sogenannte Hochfrequenzhändler ihr Geld damit, dass sie mittels superschneller Computer Signale für Kursveränderungen vor allen anderen erkennen und in Sekundenbruchteilen Optionen kaufen oder verkaufen. Sie profitieren dabei von minimalen kurzzeitigen Preisunterschieden. Das hat aber dazu geführt, dass langsamere Geldhäuser sich aus diesem Handel mehr und mehr zurückziehen.



Von den 400 Teilnehmern am Eurex-Handel sind ein Drittel Hochfrequenzhändler - diese machen aber 50 bis 60 Prozent der Optionsgeschäfte aus. Die Deutsche Börse will mit dem Tempolimit nun solchen Händlern zur Seite springen, die viele Kauf- und Verkaufsangebote einstellen. Diese sollen sich wieder mehr auf die Bedürfnisse von Endkunden wie Banken oder Investoren konzentrieren können.

Hochfrequenzhändlern wird vorgeworfen, dass sie Kursschwankungen befeuern sollen. Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es deshalb bereits an den US-Börsen Investor Stock Exchange und Intercontinental Exchange.

(felt/AFP)