| 21:17 Uhr

Handelsstreit
EU droht USA mit raschen Gegenzöllen

 Das BMW-Werk im amerikanischen Spatanburg bietet 11.000 Jobs.
Das BMW-Werk im amerikanischen Spatanburg bietet 11.000 Jobs. FOTO: dpa / BMW AG
Sollte Trump neue Autozölle verhängen, will die EU rasch reagieren: An die Zusage, mehr Flüssiggas oder Soja in den USA zu kaufen, sähe man sich nicht mehr gebunden, so Jean-Claude Juncker. NRW wäre weniger stark von Zöllen betroffen als andere Bundesländer, so der Wirtschaftsweise Schmidt.

Macht Donald Trump ernst? Am Wochenende hatte das US-Handelsministerium dem Präsidenten einen Bericht übergeben, in dem es offenbar feststellt, dass Autoimporte aus Europa der nationalen Sicherheit der USA schaden. Nun hat Trump 90 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob er auf dieser Basis Sonderzölle gegen europäische Autos verhängt. Die EU-Kommission legte sich schon mal fest: Sollte es neue Auto-Zölle geben, werde die Reaktion „rasch und angemessen“ sein, sagte am Montag ein Kommissions-Sprecher.


Womit droht die EU? Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker sagte: „Trump hat mir sein Wort gegeben, dass es vorerst keine Autozölle gibt. Ich halte diese Zusage für belastbar. Klar ist, sollte er sein Wort brechen, werden wir uns an unsere Zusagen, mehr US-Soja und Flüssiggas zu kaufen, auch nicht mehr gebunden fühlen.“ Ebenso könnte die EU Strafzölle für US-Exportschlager wie Jeans, Whisky und Erdnussbutter verhängen. Jetzt schon erheben die USA Zölle in Höhe von 2,5 Prozent auf die Einfuhr von Autos aus der EU, umgekehrt verlangt die EU zehn Prozent Einfuhrzölle für Autos aus den USA. Trump hatte eine Anhebung auf 25 Prozent angedroht.



Wie wäre Deutschland betroffen? Die USA sind für Deutschlands Autohersteller zwar nicht der wichtigste Exportmarkt (das ist China), aber ein bedeutender. 2018 exportieren sie 470.000 Autos in die Staaten. „Der in Rede stehende Zoll von 25 Prozent würde die deutschen Automobilhersteller vor große Probleme stellen. Vielleicht führt dies dazu, dass sie schneller auf neue Antriebstechnologien setzen“, sagte Christoph Schmidt, Chef des Forschungsinstituts RWI und der Wirtschaftsweisen. Nordrhein-Westfalen würde von Zöllen aber etwas weniger getroffen als Bayern, Baden-Württemberg oder Niedersachsen, weil hier kein in die USA exportierenden Autokonzern sitzt. NRW sei jedoch als Zuliefererland betroffen. Zugleich kritisierte er Trump: „Die Begründung für die Zölle erscheint fadenscheinig. Das lässt einen verzweifeln über die ökonomischen Ratgeber, die Herr Trump anhört.“ Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer mahnte: „Reden mit Trump ist vertane Zeit. Besser ist es, die Hersteller passen ihre Strategie weiter an, das heißt: für den US-Markt in den USA produzieren und sich ansonsten auf China konzentrieren.“ BMW, VW und Daimler haben bereits sehr große Werke in den USA.

Reaktion der Börsen: Die Sorgen vor Autozöllen waren am Montag das Thema an der Börse. Die Aktie von Volkswagen gehörte mit einem Minus von 1,2 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Denn anders als die Käufer von Premiumautos sind die von Klein- und Mittelklasse-Wagen, wie VW sie anbietet, preissensibel. Hier würden zollbedingte Preissteigerungen stärker auf die Nachfrage in den USA durchschlagen. Die Aktien von BMW und Daimler verloren je knapp ein halbes Prozent.

(anh/magra/rky)