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Neue Gesetze, geringere Kosten
Für Verbraucher wird 2019 vieles besser

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2019 wird für Verbraucher vieles besser: So werden die Kranken- und Arbeitslosenversicherung billiger, das Jobticket wird abgabenfrei und der Arbeitgeber darf E-Bikes günstig stellen. Es gibt mehr Kindergeld, mehr Rente und mehr Mütterrente für Kinder, die vor 1992 geboren wurden. Teurer werden dagegen die Pflegeversicherung sowie bei vielen Anbietern Strom und Gas. Von Antje Höning

Verbraucher können sich freuen. Viele Regelungen, die das neue Jahr bringt, bedeuten für sie Ersparnis oder Erleichterung. Strom, Gas und Pflegeversicherung werden dagegen teurer.


 

Krankenversicherung günstiger Viele Kassenpatienten werden doppelt entlastet. Zum einen wird die Parität wieder eingeführt, ab dem 1. Januar tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Zusatzbeitrag zu gleichen Teilen. Bislang mussten Arbeitnehmer ihn alleine stemmen.  Das bedeutet für Arbeitnehmer mit einem Einkommen von 3000 Euro monatlich rund 15 Euro weniger Beitrag, so das Bundesgesundheitsministerium. Rentner profitieren entsprechend. Zudem senken viele Kassen den Zusatzbeitrag. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag fällt auf 0,9 Prozent.



 

Versicherungskarte Ab 1. Januar gelten nur noch Krankenversicherungskarten mit dem Aufdruck „G2“ oder „G2.1“. Wer eine Karte mit „G1“ hat, könnte Probleme in den Arztpraxen bekommen. Die Karten sind nicht mehr sicher genug und können deshalb nicht mehr eingelesen werden, so die Verbraucherzentrale.

 

Arbeitslosenversicherung günstiger Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sinkt zum Jahreswechsel von derzeit 3,0 Prozent um 2,5 Prozent. Das kommt Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu gleichen Teilen zu Gute. Konkret werden 0,4 Prozentpunkte per Gesetz gesenkt, weitere 0,1 Punkte per Rechtsverordnung und nur befristet bis zum Jahr 2022.

 

Pflegeversicherung teurer Die Entlastung bei der Arbeitslosenversicherung wird jedoch aufgezehrt vom steigenden Beitrag zur Pflegeversicherung. Er legt um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 Prozent zu, Kinderlose müssen 3,3 Prozent ihres Bruttoeinkommens zahlen. Grund sind steigende Ausgaben durch Leistungsverbesserungen, so der Sozialminister. Er will Kinderlose künftig noch stärker belasten, doch das ist noch nicht Gesetz.

 

Mehr Rente Die gute wirtschaftliche Entwicklung kommt auch den Senioren zugute. Zum 1. Juli 2019 soll die gesetzliche Rente voraussichtlich um 3,18 Prozent in Westdeutschland sowie 3,91 Prozent in Ostdeutschland steigen. Endgültig festgelegt wird das Rentenplus im Frühjahr, wenn die Lohnentwicklung für 2018 feststeht.

 

Mehr Mütterrente Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, bekommen Mütter (oder auch Väter) nun 2,5 statt zwei Jahre Erziehungszeit angerechnet. Das führt zu einer Erhöhung der monatlichen Rente von 16,02 Euro pro Kind im Westen und 15,35 Euro im Osten. Wer ab 2019 in Rente geht, erhält die höhere Mütterrente sofort. Bei den 9,7 Millionen Rentnern, die bereits Mütterrente bekommen, erfolgt die höhere Zahlung bis Mitte des Jahres, so die Deutsche Rentenversicherung. Die Betroffenen erhalten später eine entsprechende Nachzahlung. Ein gesonderter Antrag ist nicht nötig, die Mütterrente wird automatisch gezahlt.

 

Rentenalter legt zu Die Regelaltersgrenze steigt weiter. Wer 1954 geboren, muss in der Regel 65 Jahre und acht Monaten arbeiten, um abschlagfrei in Rente gehen zu können.

 

Energie wird teurer Strom wird noch teurer. 454 der knapp 900 Grundversorger haben seit September Preiserhöhungen von durchschnittlich 5,1 Prozent angekündigt, ergab eine Auswertung des Vergleichsportals Check 24. Auch die Gaspreise steigen: 299 Grundversorger heben ihre Preise an,  durchschnittlich um 8,5 Prozent. In der Spitze verlangt der Gasversorger bis zu sind 21 Prozent mehr, so Check 24.

 

Jobtickets und E-Bikes Arbeitgeber dürfen Monats- und Jahres­fahr­karten für den öffent­lichen Nahverkehr komplett steuerfrei zum Gehalt weitergeben, so Stiftung Warentest. Arbeitnehmer müssen das Ticket weder versteuern noch Sozial­abgaben darauf zahlen. Bislang war das Jobti­cket nur zum Teil abgabenfrei. Dienst­rad. Auch der geld­werte Vorteil für das vom Chef zur privaten Nutzung über­lassene Rad bleibt jetzt steuerfrei, so Warentest weiter. Ebenso wird die private Nutzung von Elektro- oder Hybrid-Dienst­wagen nur noch mit 0,5 Prozent des Listen­preises versteuert.

 

Diesel-Fahrverbote In Hamburg gibt es das erste Fahrverbot für ältere Diesel. Weitere Städte sollen folgen: Stuttgart ab Januar (Euronorm 4 und schlechter), Frankfurt ab Februar, Bonn und Köln ab April. essen und Gelsenkirchen ab Juli. Das Bußgeld bei Verstößen beträgt etwa in Stuttgart 80 Euro. Meist sind nur einzelne Straßen betroffen, in Stuttgart das gesamte Stadtgebiet. Teilweise gibt es Ausnahme- und Übergangsregelungen. Weitere Städte drohen zu folgen.

 

Neue Geldscheine Die Europäische Zentralbank bringt neue 100- und 200-Euro-Scheine heraus, um Fälschern das Handwerk zu erschweren. Sie gibt die neuen Scheine ab dem 28. Mai 2019 aus. Diese sind mit neuen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet: So gibt es künftig ein Porträt-Fenster, das bereits beim neuen Zwanziger und Fünfziger zu finden ist. Es erscheint, wenn der Schein gegen das Licht gehalten wird. Neu ist auch ein „Satelliten-Hologramm“, das sich rechts oben auf der Vorderseite befindet. Dort bewegen sich beim Neigen kleine Euro-Symbole um die Wertzahl. Die neuen Scheine bieten auch einen praktischen Vorteil, so die Verbraucherzentrale. Sie sind kleiner als ihre Vorgänger und passen wieder besser ins Portemonnaie. Natürlich bleiben die alten 100- und 200er-Scheine weiterhin gültig.

 

Ende der TAN-Listen Beim Online-Banking dürfen ab Herbst 2019 keine TAN (Transaktionsnummern) mehr eingesetzt werden, die als Papierliste per Post verschickt werden. Die Europäische Zahlungsdiensterichtlinie schreibt vor, dass Kunden mit zwei Faktoren nachweisen müssen, dass sie zur Ausführung eines Bankgeschäftes berechtigt ist, so die Verbraucherzentrale.  TAN-Listen per Papier gelten als zu unsicher. Künftig sollen Kunden ihre Überweisungen auf andere Art freigeben. Viele Banken haben schon auf modernere Authentifizierungsverfahren (etwa TAN-Generator, Photo-TAN, mobile-TAN) umgestellt, um das Missbrauchs-Risiko zu senken.

 

Mehr Kindergeld Zum ersten Mal wird das Kindergeld nicht zum Jahres­wechsel, sondern zum 1. Juli erhöht. Pro Kind gibt es zehn Euro mehr. Für das erste und zweite Kind gibt es damit künftig je 204 Euro, für das dritte 210 Euro und für jedes weitere 235 Euro. Der Kinder­frei­betrag wird bereits ab Januar um 192 Euro auf 4980 Euro pro Kind erhöht. Den Frei­betrag erhalten Eltern nur, wenn er ihnen steuerlich mehr bringt als das Kinder­geld, so Stiftung Warentest. Ob das der Fall ist, prüfe das Finanz­amt auto­matisch bei der Steuererklärung.

 

Neue Pfandregeln für Getränke Um die Verbraucher zur stärkeren Nutzung von Mehrwegprodukten anzuhalten, müssen Super- und Getränkemärkte oder auch Bäckereien an Kühlschränken oder Regalen Hinweise wie „Einweg“ oder „Mehrweg“ anbringen. Bislang kennzeichneten Hersteller dies freiwillig nur mit einem Hinweis auf der Produktverpackung. Zudem müssen Verbraucher für einige zusätzliche Produkte Pfand bezahlen, so die Verbraucherzentrale. Waren bislang etwa Fruchtschorlen in Einwegverpackungen von der Bepfandung ausgenommen, wird ab Januar auch auf Frucht- und Gemüse-Nektare mit Kohlensäure und Mischgetränke mit einem Molke-Anteil von mindestens 50 Prozent ein Pfand von 25 Cent erhoben. Vanillemilch und einige Energydrinks werden also ab Januar bepfandet. Weiterhin kein Pfand wird auf Säfte und Wein fällig.

 

Elektroautos mit Ton Bislang fahren viele Elektroautos nahezu lautlos. Das kann gefährlich werden. Daher werden die Hersteller von der EU-Kommission verpflichtet, in  Hybrid- und Elektrofahrzeugen ein Warnsignal (Acoustic Vehicle Alerting System, AVAS) einzubauen. So soll die Sicherheit von Fußgängern, Sehbehinderten und Radfahrern erhöht werden. Die Hersteller können selbst entscheiden, wie sich die künstliche „Fahrmusik“ anhört, sie muss aber dem Motorengeräusch eines Benzin- oder Dieselmotors ähneln. imitieren.

 

Taxi für Pflegebedürftige Behinderte und Pflegebedürftige müssen oft regelmäßig ein Taxi nehmen, um zum Arzt zu kommen. Bislang musste dies meist aufwendig bei der Krankenkasse beantragt werden. Ab Januar gibt es dafür in vielen Fällen eine automatische Erlaubnis, so die Verbraucherzentrale. Im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz ist vorgesehen, dass die Taxikosten für den Arztbesuch grundsätzlich bei Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 4 oder 5 übernommen werden. Die Regelung gilt auch bei Pflegegrad 3, wenn zusätzlich eine dauerhaft eingeschränkte Mobilität festgestellt wurde.

 

Mehr Zeit für Steuererklärung Arbeitnehmer haben zwei Monate mehr Zeit für die Abgabe ihrer Steuererklärung. Wer eine Erklärung abgeben muss und diese für das Jahr 2018 selbst macht, kann sich bis nun zum 31. Juli Zeit lassen. Übernimmt ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein die Erklärung,  müssen die Unterlagen sogar erst bis zum 29. Februar 2020 eingereicht werden.

 

Mindestlohn steigt Der gesetzliche Mindestlohn steigt von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro pro Stunde. Im Jahr 2020 erfolgt eine Anhebung auf 9,35 Euro. Er gilt auch für die Entlohnung von Rentnern, Minijobbern oder Saisonarbeitern. Auszubildende und alle, die verpflichtend ein Praktikum leisten, haben dagegen keinen Anspruch.

 

Recht auf Brückenteilzeit Ab 2019 haben Arbeitnehmer das Recht, ihre Arbeitszeit für ein bis fünf Jahre zu reduzieren. Danach kehren sie automatisch zu ihrer alten Arbeitszeit zurück. Bislang haben Mitarbeiter nur Anspruch darauf, ihre Arbeitszeit zu verringern, und sind für die Rückkehr zur Vollzeit auf das Entgegenkommen des Chefs angewiesen. Der Antrag auf Brückenteilzeit muss drei Monate vor Beginn der Teilzeit beim Arbeitgeber abgegeben werden, so Warentest

 

Pauschalreisen Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) rechnet damit, dass sie ab März auch als Schlichter für Streitfälle bei Pauschalreisen zuständig sein wird. Bisher ist sie für Streit mit Fluggesellschaften, Bahnen, Bus- oder Schiffs­unternehmen zuständig.