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Sinkende Reiselust
Die Stimmung in der Tourismus-Branche verschlechtert sich

Zum Themendienst-Bericht von Alexandra Stahl vom 19. Dezember 2017: Petersdom im Vatikan: In die italienische Hauptstadt muss man nicht mit dem Billigflieger reisen - auch per Nachtzug ist das möglich. 
(Archivbild vom 15.08.2013/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Zum Themendienst-Bericht von Alexandra Stahl vom 19. Dezember 2017: Petersdom im Vatikan: In die italienische Hauptstadt muss man nicht mit dem Billigflieger reisen - auch per Nachtzug ist das möglich. (Archivbild vom 15.08.2013/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sieht einen schwächelnden Tourismus. In den Winterferien sind vor allem Städtereisen beliebt. Das größte Problem der Branche ist der Personalmangel. Von Hagen Strauß

Dass angesichts von Katastrophen und Terrorgefahr immer mehr Deutsche in den letzten Jahren am liebsten im eigenen Land Urlaub gemacht haben, ist bekannt. Doch jetzt hat sich die Stimmung in der heimischen Tourismusbranche leicht verschlechtert, wie aus einer aktuellen Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegt. Grund dafür ist aber nicht eine gesunkene Reiselust, sondern der wachsende Personalmangel in den Betrieben.


Tendenz rückläufig

Insgesamt verzeichnet der Deutschland-Tourismus nach wie vor gute Übernachtungszahlen. Allerdings beurteilt die Branche ihre derzeitige Lage etwas zurückhaltender im Vergleich zum Rekordwert im Vorjahr. 52 Prozent (2016: 56 Prozent) der Unternehmen im Gastgewerbe bewerten ihre Situation als gut, gleichbleibend acht Prozent als schlecht. Auch für den Start in das Jahr 2018 fällt die Bewertung des Gastgewerbes leicht unter das Vorjahresniveau.



Fachkräftemangel ist Risikofaktor

Der Personalmangel wird zum Risikofaktor der Branche.
Der Personalmangel wird zum Risikofaktor der Branche. FOTO: picture alliance / dpa / Friso Gentsch

Erhebliche Probleme bereitet den Unternehmen der Fachkräfte­mangel: „Zwei von drei Betrieben sehen hierin die größten Risiken für ihre Geschäftsentwicklung“, so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, Achim Dercks, zu unserer Redaktion. Insgesamt wurden für die repräsentative Umfrage rund 5000 Betriebe des Gastgewerbes befragt. Die Hälfte der Firmen könne demnach offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Das führe neben einer Mehrbelastung des vorhandenen Personals vor allem zu Einschränkungen beim Angebot. „Immer häufiger werden der Mittagstisch gestrichen oder zusätzliche Ruhetage eingeführt“, erläuterte Dercks. Der Fachkräftemangel werde damit auch zunehmend zur Wachstumsbremse des Deutschland-Tourismus.

Regionen müssen attraktiver werden

Der Schlüssel zur Personalgewinnung liegt dem DIHK-Tourismusreport zufolge für fast die Hälfte der Betriebe darin, ihre Regionen attraktiver zum Leben und Arbeiten zu machen. Dazu gehöre zum Beispiel bezahlbarer Wohnraum sowie eine gute Digital- und Verkehrsinfrastruktur. „Das ist vor allem für das Gastgewerbe in den östlichen Bundesländern ein Thema“, meinte Dercks. Weitere Bausteine seien Erleichterungen bei der Beschäftigung ausländischer Fachkräfte sowie die Stärkung der beruflichen Bildung.

Städtereisen liegen vorn

Noch eines geht aus der Erhebung hervor: In den nun beginnenden Winterferien scheinen die Deutschen vor allem in die großen Städte reisen zu wollen. Denn laut Report schaut die Branche in der Alpenregion sowie den Fluss- und Seenlandschaften skeptisch auf die Weihnachtsferien, während „Winter in der Stadt immer beliebter wird“, so Dercks. Auch das Statistische Bundesamt hatte kürzlich vermeldet, dass die großen Städte als Reiseziele immer attraktiver werden: So erzielten von Januar bis August Kommunen über 100.000 Einwohner ein Plus von 4,3 Prozent bei den Übernachtungen, München zum Beispiel verzeichnete 8,4 Prozent und Leipzig sechs Prozent mehr.