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Landesbank
Der Saar-LB-Chef setzt auf weiteres Wachstum

Thomas Bretzger (l.) führt seit Jahresbeginn die Saar-LB. Er hat die Bank von seinem Vorgänger Werner Severin - hier mit der damaligen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer - übernommen.
Thomas Bretzger (l.) führt seit Jahresbeginn die Saar-LB. Er hat die Bank von seinem Vorgänger Werner Severin - hier mit der damaligen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer - übernommen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Seit Jahresbeginn ist Thomas Bretzger Chef der Saar-LB. Den Kurs seiner Vorgänger setzt er fort, will aber das Wachstum forcieren. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Der neue Saar-LB-Chef Thomas Bretzger will die Landesbank wieder stärker auf Wachstum trimmen. Das Institut solle in allen Bereichen zulegen, sagte der Vorstandschef gestern. „Stark, agil, attraktiv, regional“, diese Positionierung gibt er für die Entwicklung der Bank vor.


Aufbruchstimmung im Institut

Damit tritt Bretzger in die Fußstapfeln seines Vor-Vorgängers Thomas Christian Buchbinder, der die Bank erheblich weiterentwickelt und zu einer Deutsch-Französischen Mittelstandsbank ausgebaut hat. Während dessen Nachfolger Werner Severin den Fokus stärker auf Stabilisierung und Konsolidierung gelegt hatte, verbreitet Bretzger nun wieder Aufbruchstimmung. Anders als in den vergangenen Jahren soll der Blick weniger auf reduzierte Kosten sondern mehr auf neue Chancen gelegt werden.



Schlanker auch durch Sabbaticals und Teilzeit

Dabei hält Bretzger durchaus an dem Restrukturierungsprojekt seines Vorgängers fest, das Severin unter dem Namen „Saar-LB 2020“ noch selber auf den Weg gebracht hat. Ziel dieses Programmes ist es, Kosten zu sparen und die Bank zu verschlanken. Dabei soll die Personalstärke der Bank um rund zehn Prozent nach unten gehen. Bretzger allerdings hält dafür nicht zwingend Stellenabbau für nötig: „Für mich stehen auch andere Lösungen wie Sabbaticals oder mehr Teilzeitarbeit im Raum.“ Die Teilzeitquote der Bank sei mit 23 Prozent noch ausbaufähig, sagt er. Teilzeit dürfe dann natürlich keine Einbahnstraße sein. Wer wieder zurück in Vollzeit wechseln wolle, könne das dann auch tun.

Kundendruck treibt Kosteneffizienz

Das Programm bedeutet für Bretzger aber auch, die Prozesse in der Bank weiter zu verbessern. Kosteneffizienz ist dann das Thema, bei dem auch die Digitalisierung beispielsweise bei der Bearbeitung von Anträgen ein Faktor ist. „Letztlich ist die Frage, wie viel der Kunde bereit ist, für eine bestimmte Leistung zu bezahlen“, sagt Bretzger. Diesen Preis gelte es dann zu erreichen, um weiter zu wachsen.

Erneuerbare Energien in Frankreich stabil

Wachstum hält Bretzger in der Bank, die die Hälfte ihres Geschäfts in Frankreich macht, in mehreren Bereichen für möglich. So sei die Saar-LB beispielsweise in Frankreich sehr stark im Geschäft mit Erneuerbaren Energien. Weil hier die Vergütungen noch sehr auskömmlich seien, sieht er dort auch weiterhin gute Chancen. außerdem will die Saar-LB das Geschäft mit Geschäftsimmobilien weiter vorantreiben sowie die Begleitung mittelständischer Kunden bei ihrer Expansion in den französischen Markt. Klumpenrisiken, die angesichts des hohen Anteils Erneuerbarer Energien in Frankreich immer wieder genannt werden, sieht Bretzger nicht. Zwar mache Frankreich in diesem Bereich mit 80 Prozent Anteil den Löwenanteil aus, aber das Risiko sei eigentlich „nur ein Staatsrisiko“, sagt er. Also das Risiko, dass Frankreich die Vergütungen rückwirkend auch für Altanlagen kürzt. „Davon ist nicht auszugehen“, sagt Bretzger.

In Deutschland wiederum sieht er aktuell bei Erneuerbaren Energien angesichts der neuen EEG-Bedingungen nur noch wenig Potenzial. Allerdings gebe es bei den Vorschriften auch schon wieder Signale für eine Änderung und auch bei der Vermarktung des Stroms und bei den Anlagenpreisen gebe es Bewegung, so dass das Feld künftig wieder interessanter werden könnte.

Nähe als Standortvorteil

Wachstum strebt die Bank aber auch weiterhin im Saarland und im angrenzenden Rheinland-Pfalz an. Neben dem Büro in Mannheim, das bereits eröffnet ist, seien auch noch Filialen in Koblenz und Trier in Planung. Hier zähle die räumliche Nähe zu den Kunden.

Die aktuelle Position der Saar-LB im Land bewertet der Vorstandschef, der von der Oldenburgischen Landesbank kommt und jetzt knapp drei Monate im Amt ist, als sehr stabil. Der Vorteil der Saar-LB seien die Nähe zum Kunden und die schnellen Entscheidungs-Strukturen. „Wir konkurrieren ja vor allem mit den Großbanken, und da ist es schon von Vorteil, wenn wir uns nicht erst mit Frankfurt oder München rückversichern müssen, bevor wir Entscheidungen treffen.“ Die Kunden hätten ihm das „in etlichen Gesprächen“ bestätigt.

Vermögensverwaltung und Venture Capital

Ein Bereich, der zwar über eine Kooperation mit der Berenberg-Bank besetzt aber wenig aktiv ist, ist die Vermögensverwaltung für größere Guthaben. Hier sieht Bretzger noch Potenzial: „Ich gehe davon aus, dass wir uns hier noch weiterentwickeln können“, sagt er. Auch angesichts des Rufs nach mehr Venture Capital im Saarland für Gründungs-Unternehmen, sieht er die Saar-LB als einen Spieler: „Das ist jetzt erst einmal Sache des Wirtschaftsministeriums“, sagt Bretzger. „Aber wir würden uns da durchaus beteiligen und auch beispielsweise einen entsprechenden Fonds managen.“

Gute Position als Landes-Tochter

Die Position der Bank als Tochter der Landesregierung sieht Bretzger als komfortabel an. Zwar hatte der frühere Finanzminister Peter Jacoby beim Kauf der Saar-LB betont, dass das Land sich schon bald wieder von dieser Beteiligung trennen will. Bretzger allerdings sagt, dass es ja schon ein Vorteil sei, so eine Bank zu haben.