„Wir können locker 60 Flüchtlinge ausbilden“

„Wir können locker 60 Flüchtlinge ausbilden“

Der Tüv Nord Bildung Saar in Völklingen will Flüchtlinge ausbilden. Anfragen von Energie-Konzernen lägen bereits vor, sagt Geschäftsführer Harry Laufer. Allerdings müsse auch die Politik mitziehen.

Harry Laufer, Geschäftsführer des Tüv Nord Bildung Saar in Völklingen , hat eine klare Vorstellung davon, wie Flüchtlinge schnell an Arbeit herangeführt werden können, statt Monate mit Warterei in Aufnahmelagern zu verbringen: "Wir können locker 60 Flüchtlinge aufnehmen und ausbilden", sagt Laufer. Die Politik müsse aber "Wartezeiten verkürzen und uns Ausbildungswillige zuweisen. Wenn diese Steine aus dem Weg geräumt sind, können wir schnell anfangen."

Der Tüv Nord Bildung Saar ist nach den Worten von Laufer in der Lage, 21 Berufe auszubilden im gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereich. Laufer appelliert an Unternehmer in der Region, sich gegenüber Flüchtlingen flexibel zu zeigen. Das gelte auch für Ausbilder in den Betrieben. Man müsse akzeptieren können, dass die deutschen Sprachkenntnisse bei den Flüchtlingen nicht so gut ausgeprägt sind. Das spiele aber für das eigentliche Ziel, Fachkräfte-Wissen zu vermitteln. eine eher untergeordnete Rolle.

Wichtig sei, dass die Flüchtlinge lernen, ihr Arbeitsgebiet zu beherrschen, sagt Laufer. Das könne zum Beispiel so funktionieren: Vormittags werden Sprachkenntnisse vermittelt, und nachmittags stehen dann praktische Fähigkeiten wie Schweißen, Fräsen und anderes auf dem Programm. Energiekonzerne hätten dem Tüv Nord Bildung Saar bereits klar signalisiert, dass sie Flüchtlingen als Arbeitskräfte in den Bereichen Metall und Elektro einstellen wollen. "Die Energiekonzerne sehen es als ihre Verpflichtung an, Flüchtlingen in diesen Berufen eine Chance zu geben", so Laufer. Zu diesen Unternehmen pflegt der Bildungsträger enge Kontakte. Der Tüv bildet bereits deutschlandweit in 24 Monaten Kraftwerker aus, die Kraftwerke steuern.

Im Bereich Bau sowie in der Garten und Landschaftspflege sieht der Geschäftsführer des Tüv Nord Bildung Saar ebenfalls gute Beschäftigungschancen für Flüchtlinge . Der Bildungsträger hat auch schon viele Erfahrungen mit Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung von Deutschen und Migranten gesammelt. Derzeit werden insgesamt 34 Deutsche und Migranten dreieinhalb Jahre zu Fachzerspanern ausgebildet.

Harry Laufer setzt auch stark auf den Bedarf im Eisenbahnwesen. "Gerade im Bereich Eisenbahntechnik gibt es sowohl in Frankreich als auch in Deutschland großen Bedarf." Außerdem "gehen in Deutschland in den kommenden drei Jahren alleine 2000 Lokführer in Rente. Frankreich hat ähnliche Probleme." Der Tüv Nord Bildung ist mittlerweile eine gefragte Adresse zur Ausbildung von Fachkräften für deutsche und französische Eisenbahnunternehmen.

Der Völklinger Bildungsträger profitiert auch von seinem großen Frankreich-Engagement. So ist man mit der eigenen Firma FSC in Forbach vertreten und kooperiert eng mit den beiden größten französischen Bildungsträgern Greta sowie Afpa. Der Tüv Nord Bildung Saar vermittelt auch Ausbildungs-Module im Auftrag des Autoproduzenten Smart in Hambach. Auf deutscher Seite ist man inzwischen in der Weiterbildung schon für über 500 Unternehmen aktiv und als Ausbilder für mehr als 60 Betriebe in der Region - von der Hydac über die Stahlwerke Bous bis hin zu VSE, Meguin, Thyssen-Krupp und Steag.