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Saarbrücken
Wie Rox die Welt in die Stadt brachte

Heinz Rox-Schulz in Südamerika 1959
Heinz Rox-Schulz in Südamerika 1959 FOTO: Archiv Freunde des Abenteuermuseums
Saarbrücken. Historisches Museum und die Freunde des Abenteuermuseums erinnern an den „König der Globetrottert“. Von Martin Rolshausen

Heinz Rox-Schulz konnte Geschichten erzählen, die so unglaublich waren, dass sie wahr ein mussten. So etwas konnte niemand erfinden. Oder doch? Der Mann, der der „König der Globetrotter“ genannt wurde, wusste, dass das, was er erlebte, für Daheimgebliebene teilweise unvorstellbar war. „Rox hat gesagt, dass ihm das niemand glaubt, was er da erlebt. Deshalb hat er sich eine Kamera gekauft“, erinnert sich Heinz Zimmer, einer der Männer aus seinem Freundeskreis.


Heinz Rox-Schulz ist seit fast 14 Jahren tot, sein Museum fast ebenso lange geschlossen. Nun, 64 Jahre nach der Erstaufführung des ersten Films von Rox wollen Heinz Zimmer und die anderen Mitglieder des Vereins „Freunde des Abenteuermuseums“ an ihn erinnern – mit eben jenem Film: „Indische Rhapsodie“. Dass der Verein das zusammen mit dem Historischen Museum Saar am Schlossplatz tut, ist kein Zufall. Heinz Rox-Schulz ist einer der Protagonisten der Ausstellung „Prominente Menschen aus dem Saarland“, die das Museum zusammengetragen hat.

Rox wurde zwar im ostpreußischen Königsberg geboren, fand aber in Saarbrücken eine Heimat. Der Globetrotter, Artist, Kameramann und Autor tingelte nach dem Krieg zuerst in Europa, danach auf allen Kontinenten durch Varietés, Kleinbühnen und Theater, um sich seinen Lebensunterhalt als Akrobat zu verdienen. „Aber nicht nur des Geldes wegen war er unterwegs, auch eine unbändige Neugier auf alles Neue, Fremde, andere Kulturen und die Menschen jenseits unseres Kulturkreises trieben ihn an“, sagt Heinz Zimmer.



„Auch in den höchsten Kasten wurde man auf Rox, den ersten europäischen Artisten nach dem Krieg in Asien, aufmerksam“, erzählt Zimmer. So sei Rox von einem Maharadscha in Lakhnau engagiert worden, um dessen Palastwache fit zu halten. Auch Filmleute wurden auf das Talent des Akrobaten aufmerksam und engagierten Rox als Stuntman für Filmproduktionen. „Er begeisterte sich fortan für das Filmen“, erinnert sich Heinz Zimmer. Und weil er sicher war, dass er das, was „die Filmfritzen“ machen, auch hinkriegt, kaufte er sich von einer Gage eine Kamera. Er erstand eine gebrauchte mechanische 16-Millimeter-Bolex-Kamera. „Um diesen Kauf zu tätigen, brauchte er das Geld, das eigentlich seine eiserne Reserve und für die Heimreise nach Deutschland gedacht war“, sagt Zimmer.

Somit war Rox „verurteilt“, länger als geplant in Indien zu bleiben und zumindest so viel zu verdienen, dass er wieder die Heimreise antreten konnte. „Es gelangen ihm Einblicke in das Leben der Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt Besuchern aus Europa verwehrt blieben“, erzählt Zimmer. So drehte er trotz Verbot unter anderem bei den Naga-Kopfjägern in Assam oder arbeitete als Rikschafahrer in Kalkutta.

Zurück in Deutschland, versuchte Rox, seinen Film zu vermarkten. Der Berliner Produzenten Erich Palme kaufte das Material. Geschnitten und neu besprochen fand der Film seinen Weg unter dem Titel „Indische Rhapsodie“ in die Kinos und wurde mit den Prädikaten „jugendfördernd“ und „kulturell wertvoll“ ausgezeichnet. Rox, erinnert sich Zimmer, war aber nie ganz zufrieden mit dem, was Palme aus seinem Material gemacht hat.

Über die Jahre hinweg geriet der Film in Vergessenheit. In der Ausstellung „Prominente Menschen aus dem Saarland“, in der 30 prominente Personen aus Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft, Literatur, Kunst, Mode, Gesellschaft und Film näher gewürdigt und vorgestellt werden, hat auch „das letzte Saarbrücker Original“ Heinz Rox-Schulz, wie Museums-Direktor Simon Matzerath sagt, seinen Platz gefunden. Nichts habe näher gelegen, als diesen Film zusammen mit den „Freunden des Abenteuermuseums“, die es sich auch zur Aufgabe gemacht haben, das Erbe von Rox zu pflegen und ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wieder zu zeigen. „Natürlich entspricht der Film nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Weder in technischer Hinsicht noch im Hinblick auf Kameraführung, Handlung oder Qualität. Manches wirkt aus heutiger Sicht auch unfreiwillig komisch. Aber es ist ein Zeitdokument, wie es nur wenige von Globetrottern aus dieser Zeit gibt“, sagt Zimmer.

Die „zweite“ Premiere des Films ist am 7. Februar, 19 Uhr, im Saarbrücker Schlosskeller. Im Anschluss sind eine Führung und ein kleiner Umtrunk im Historischen Museum vorgesehen. Der Eintritt ist frei

Heinz Rox-Schulz.
Heinz Rox-Schulz. FOTO: dpa/dpaweb / Werner Baum