Wie Kunstwerke Menschen vernetzen

Wie Kunstwerke Menschen vernetzen

In St. Wendel nahm die „Europäische Skulpturenstraße für den Frieden“ 1979 ihren Ausgang. Am Sonntag eröffnet das Museum St. Wendel eine Schau zu dem Projekt mit mittlerweile fast 500 Skulpturen in ganz Europa – und ehrt gleichzeitig dessen Initiator, Leo Kornbrust. Der Bildhauer wird 85 Jahre alt.

Quer durch Europa wird in diesem Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht. Auch das Museum St. Wendel leistet einen - äußerst passenden - Beitrag: mit dem Ausstellungsprojekt "500 Skulpturen für den Frieden" entlang der 5500 Kilometer langen Straße des Friedens, die vor 35 Jahren vom St. Wendeler Bildhauer Leo Kornbrust nach der Vision des im Konzentrationslager ermordeten jüdischen Malers und Bildhauers Otto Freundlich (1878-1943) initiiert worden war. Am Sonntag wird die Schau eröffnet - zum 85. Geburtstag Leo Kornbrusts. Fasziniert von Freundlichs Idee hatte der Bildhauer die bei einem Symposion im St. Wendeler Land entstandene Skulpturenstraße mit heute 58 Stein-Arbeiten auf 17 Kilometern zu einer Teilstrecke der "Straße des Friedens" erklärt. Damit hat er 1979 den Ausgangspunkt für die beiden Strecken quer durch Europa gelegt, die sich bei Paris kreuzen, so wie Freundlichs Konzept es vorsah. Von der Küste der Normandie über Verdun, den Saar-Lor-Lux-Raum, Berlin, Slupsk (Freundlichs Geburtsort) über die KZ Majdanek (wo Freundlich starb) und Sobibor bis nach Moskau erstreckt sich die Ost-West-Route. Von Amsterdam über Aix-en-Provence bis zu den Pyrenäen verläuft die Nord-Süd-Straße. "Aus der Straße des Friedens ist längst ein Straßennetz geworden, ein Selbstläufer, bei dem viele mitmachen wollen", freut sich Cornelieke Lagerwaard, Museumsleiterin in St. Wendel , und seit gut einem Jahr erste Vorsitzende des Vereins "Europäische Skulpturenstraße des Friedens". Sie kennt Kornbrust seit 25 Jahren, hat das Projekt gemeinsam mit ihm vorangetrieben. Erst in der Region, dann in ganz Europa. Die von Paul Schneider initiierten "Steine an der Grenze" im Saargau bei Merzig sind Teilstück der Friedensstraße (seit 1987), ebenso Skulpturen , die bei Bildhauer-Symposien in Dillingen, an der Obermosel, in Rheinland-Pfalz, Luxemburg oder Berlin entstanden sind, um nur einige der Orte zu nennen. 30 Partner sind mittlerweile beteiligt, die meisten sind seit 2000 dabei. Mal sind es einzelne Arbeiten an besonderen Standorten, mal ganze Skulpturenparks wie zum Beispiel im polnischen Oronsko mit 75 Werken oder in Salzgitter, wo neun Stahlskulpturen Teil der Straße sind. Entstanden ist ein europäisches Netzwerk von Künstlern, Kunstprojekten, Friedensinitiativen und Förderern, das sich vor allem aus persönlichen Kontakten speist. Cornelieke Lagerwaard kann viele interessante Geschichten dazu erzählen. Zum Beispiel die vom Enkel des Mannes, der Freundlichs Versteck im Pyrenäen-Ort Taichac 1943 verriet. Dort baut dieser Enkel ein altes Kloster zum Friedenszentrum um und erinnert so an Freundlichs Vision.

In Kürze wird endlich auch der "Grundstein" der Ost-West-Route gelegt, im Küstenort St. Aubin-sur-Mer in der Normandie . Es ist eine Pyramide von Leo Kornbrust , die in zwei weiteren Ausführungen sowohl in St. Wendel als auch am Endpunkt der Strecke in Moskau steht. "Das wird Kornbrusts letzte Arbeit sein", so Lagerwaard. Nach einem Schlaganfall kann der Künstler nicht mehr selbst zu Hammer und Meißel greifen. Der Ort in der Normandie wiederum ist die Partnerstadt von Liebenburg, ebenfalls Teil der "Straße des Friedens".

So wird das Netz an Kunstwerken immer dichter. Den Anspruch des Vereins dabei formuliert Lagerwaard so: "Die Kunst darf nicht beliebig sein." Soll heißen: Nicht jede gut gemeinte Friedensinitiative kann Teil der Straße werden - wohl aber eine originelle Performance wie zum Beispiel die des Bildhauers Bruno K., der einen ehemaligen Truppenübungsplatz in Bad Kreuznach mit 80 Akteuren in einem fantasievollen Feldzug für die Kunst eroberte. Kostüme und Requisiten dieser Performance sind in St. Wendel neben klassischen Skulpturen und viel Fotomaterial zu den Projekten der Partner zu sehen.

Diese Pyramide von Leo Kornbrust steht in St. Wendel, eine weitere in Moskau, die dritte bald in der Normandie. Foto: Museum. Foto: Museum
Diese Pyramide von Leo Kornbrust steht in St. Wendel, eine weitere in Moskau, die dritte bald in der Normandie. Foto: Museum. Foto: Museum

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Auf einen BlickEröffnung ist am Sonntag, 15 Uhr, im Mia-Münster-Haus in St. Wendel . Bis 2. November gibt es meist sonntags Werkgespräche, Performances, Filmvorführungen oder Workshops für Kinder. Di/Mi/Fr: 10-16.30 Uhr. Do: 10-18 Uhr. Sa: 14-16.30 Uhr. So: 14-18 Uhr. Info: www.museum-wnd.de esb