Wie klingt er,der Strukturwandel?

Wie klingt er,der Strukturwandel?

Saarbrücken. "Nicht alles, was sich rechnet, stellt einen Wert dar." Bojan Budisavljevic, Künstlerischer Leiter des Netzwerks Musik e.V., muss es wissen: Denn er war um die Jahrtausendwende im Gefolge von Karl Ganser bereits an der Saar, um für den Standortfaktor Industriekultur zu werben. Jetzt ist er zurück

Saarbrücken. "Nicht alles, was sich rechnet, stellt einen Wert dar." Bojan Budisavljevic, Künstlerischer Leiter des Netzwerks Musik e.V., muss es wissen: Denn er war um die Jahrtausendwende im Gefolge von Karl Ganser bereits an der Saar, um für den Standortfaktor Industriekultur zu werben. Jetzt ist er zurück. Dieses Mal geht es um die Neue Musik und ihren Beitrag zum Strukturwandel. Mit einem zweitägigen Symposium in der Hochschule für Musik startete das Netzwerk Musik Saar ein auf vier Jahre angelegtes Unternehmen. Das Geld dafür kommt von der Bundeskulturstiftung, die auf Vorschlag des Netzwerks Neue Musik das Saar-Projekt "strukturwandel - neues hören und sehen" mit bundesweit 15 anderen zu einem Modellprojekt machte."Werte, die sich nicht rechnen, muss man setzen, in dem man den Leuten diese Werte vermittelt", so beschreibt Bojan Budisavljevic die Herausforderung. Ausgerechnet mit Neuer Musik, die vielen als fremd, unverständlich und elitär gilt? Eben drum, um zu zeigen, "dass auch sie einzigartige Möglichkeiten hat, sich mit Veränderungsprozessen und Lebenssituationen auseinanderzusetzen", stellt Musikwissenschaftlerin Sigrid Konrad, Leiterin des "Strukturwandel"-Projekts, klar. "Natürlich auf assoziative Art und Weise." Darum ist vor allem die Zusammenarbeit aller Saar-Netzwerker vom Saarländischen Rundfunk über das Staatstheater (SST) bis zur Kunsthochschule in puncto Vermittlung gefordert, betont Heinzjörg Müller, Vorsitzender des Netzwerks Saar: "Der Mehrwert des Projektes besteht darin, Produktion und Vermittlung auf allen Ebenen zusammenzubringen." Dazu leistet das SST mit gleich zwei Projekten mit Jugendlichen seinen Beitrag. Denn "Strukturwandel hat etwas mit Identität zu tun", sagt Operndirektor Berthold Schneider. In "Mensch-Maschine" werden der Komponist Ari Benjamin Meyers und das Theaterensemble "La Fura dels Baus" mit Jugendlichen dazu etwas erarbeiten. Das zweite Projekt "Fight Club" kümmert sich "um Orte, die extrem identitätsbildend sind", fügt er hinzu. Aus der Zusammenarbeit mit hiesigen Kampfsportclubs soll ein Bühnenstück entstehen.Die Kunsthochschule beschäftigt das Thema in dem für 2010 geplanten Projekt "Klang-Stadt-Raum", sagt der Leiter des Tonstudios der Schule, Stefan Zintel. Für 2008 steht ein "begehbares Märchen" im Museum St.Wendel an, so Andreas Bayer, Mitarbeiter der Kunsthochschule und Kurator dieses gemeinsam mit der Hochschule für Musik geplanten multimedialen Parcours durch die Märchenwelt. Wobei sich auch dort viel ändert - "in Richtung fantastische Bildwelten, womit wir wieder beim Strukturwandel wären", sagt Stefan Zintel. Davon lebt das "Strukturwandel"-Projekt, fasst Sigrid Konrad zusammen: "Wichtig ist, den Begriff nicht allein auf die wirtschaftliche Situation zuzuschneiden, denn der Mensch lebt nicht nur von der Arbeit". sg