| 20:03 Uhr

Geschichte
Wie Fluppi einen Unterschlupf für den Winter fand

Als das Eichhörnchen von der kalten Jahreszeit überrascht wurde, musste schnell ein warmes Plätzchen her – doch alle Höhlen waren belegt... Von Elke Bräunling

Jeder Stadtparkbesucher kannte Fluppi, das Eichhörnchen. Fluppi war sehr hübsch mit seinem buschigen, roten Schwanz, den lebhaften Augen und den kleinen Pfötchen.


Eigentlich tat Fluppi den ganzen Tag nichts anders als sich von den Parkbesuchern Essen zu ergaunern. Ein treuherziger Blick genügte. Zum Dank stellte sich Fluppi auf die Hinterpfoten und machte Männchen. „Oh, wie süß“, riefen die Leute dann und steckten Fluppi noch ein paar Leckereien zu. War Fluppi dann noch immer nicht satt, führte er den Leuten waghalsige Baumkunststückchen vor. Wie ein Trapezkünstler schwang er sich von Ast zu Ast.

Fluppis Eichhörnchenkollegen waren fast ein bisschen neidisch, denn so flink und gelenkig war keiner von ihnen. „Wer kann, der kann!“, prahlte Fluppi und drehte einen dreifachen Salto. Die anderen Eichhörnchen aber schüttelten die Köpfe. „Keine Zeit“, sagten sie. „Wir müssen Vorräte sammeln. Nüsse, Kastanien und Pilze. Vertue dich nicht in der Zeit. Es ist Herbst, und der Winter kann schnell kommen.“ Doch Fluppi ließ sich nicht belehren. Er übte lieber noch mehr Kunststücke. Die anderen Eichhörnchen sahen ihm kopfschüttelnd zu.



Die spätherbstlichen Nebel- und Sturmtage kamen. Nur noch wenige Leute besuchten den Park, und wenn, so gingen sie rasch ihres Wegs. Fluppis Bettelblicke sahen sie nicht und noch weniger blieben sie stehen, um seine Kunststücke zu bewundern. Auch die anderen Eichhörnchen waren nur noch selten unterwegs. Viel lieber verkrochen sie sich nun in ihren Baumhöhlen, Astlöchern und Nestern, die sie sich im Spätsommer und Herbst gebaut hatten.

Fluppi begann sich zu wundern. „Was ist los? Wo sind denn alle? Mag mich keiner mehr besuchen? Und wer gibt mir etwas zu essen? Ich bin hungrig!“ Plötzlich stand eines seiner Eichhörnchenkollegen neben ihm. „Das kommt davon, dass du dich auf die Menschen verlassen hast“, sagte er. „Wir haben dich gewarnt. Nun suche dir schnell ein Quartier, bevor es noch kälter wird.“

„Wo soll ich denn jetzt noch ein Plätzchen zum Schlafen finden?“, jammerte Fluppi. Er lief umher, doch alle Astlöcher und Baumhöhlen waren bereits belegt. Schließlich gelangte er zum Parkrand. Da stand eine Villa mit hohen Türmchen. Sie gehörte einer alten Frau, die ihn im Sommer oft besucht hatte. „Ob ich es dort mal versuchen soll?“, überlegte Fluppi. Er sprang in den Garten der Villa und tobte durch das kahle Geäst der Bäume.

„Hallo, du kleiner Clown“, rief ihm die alte Dame zu. „Schön, dass du mich mal besuchen kommst. Aber sag, müsstest du nicht in deinem Winterquartier sein?“ Fluppi warf ihr einen flehenden Blick zu. „Aha! Ich verstehe“, sagte die alte Frau. „Du hast wohl vergessen, an den Winter zu denken?“ Sie lächelte. „Nun ja, aus Schaden wird man klug. Ich werde dir helfen, so wie du mir im Sommer mit deinen Späßen geholfen hast. Wie oft hast du mich zum Lachen gebracht, auch an Tagen, an denen mir nicht danach zumute war. Dafür danke ich dir.“

Sie öffnete die Garage. Dort hatte sie eine warme Decke, Nüsse und ein paar andere Leckereien hingelegt. „Hier kannst du bleiben.“ Fluppi sah die alte Frau dankbar an. Er war gerettet!