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Wetterbilanz in NRW
Sommer bleibt trotz Hitzewelle unter Rekord von 2003

Seit Wochen brutzelt die Republik in der Hitze. Auf Rekordkurs liegt der Sommer 2018 aber nicht. Dafür könnte die Periode April bis August die wärmste und trockenste seit Aufzeichnungsbeginn gewesen sein.

Kaum erklimmt das Thermometer die 25-Grad-Marke, spricht man von einem Sommertag. In diesem Jahr waren es mancherorts so viele wie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen nicht. Die Zahl der Sommertage hat in vielen Orten in NRW Rekordwerte erreicht. So registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Flughafen Köln/Bonn am Sonntag bereits den 73. Sommertag in diesem Jahr, also einen Tag mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad oder mehr. Im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 waren es dort nur 42.


Einen neuen Rekord gab es auch in Düsseldorf, wo die Wetterexperten den 70. Sommertag verzeichneten. Die bisherigen Rekordwerte stammen aus dem „Jahrhundertsommer“ im Jahr 2003 mit 72 Tagen am Flughafen Köln und 69 am Flughafen Düsseldorf. Neuer Höchstwert auch in Bad Lippspringe mit 67 Sommertagen, sechs mehr als im bisherigen Rekordjahr 1959.

Der Sommer sei außerdem noch nicht vorbei, sagte Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Klimabüro Essen des DWD. „Es können noch einige Sommertage hinzukommen.“ Von der höchsten jemals in NRW gemessenen Zahl an Sommertagen sind die Werte aber noch ein Stück entfernt. Ebenfalls 2003 verzeichnete die Wetterstation in Köln-Stammheim 85 warme Tage. Bis einschließlich Sonntag wurden dort 78 Sommertage gezählt.



Der Experte rechnet damit, dass die Durchschnittstemperatur dieses Sommers in NRW unter dem Rekordwert von 19,5 Grad aus dem „Jahrhundertsommer“ im Jahr 2003 liegen wird. „Sie wird allerdings in die Nähe von 2003 rücken.“ Der zweithöchste Wert war 1947 mit 18,9 Grad gemessen worden. Dieses Jahr werde deutlich darüber liegen.

Zum Ende des meteorologischen Sommers (Juni bis August) würden in Deutschland zudem von Freitag (24. August) an noch einige deutlich kühlere Tage erwartet, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Die letzte Augustwoche werde voraussichtlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. Demnach werden die Werte noch etwas nach unten gedrückt. Auch die bundesweiten Sonnenstunden seien in diesem Jahr weit weniger gewesen als vor 15 Jahren: „Die 785 Stunden von 2003 werden wir in diesem Jahr auf keinen Fall mehr erreichen“, sagte Friedrich.

Allerdings könnte der Zeitraum von April bis August die heißeste und trockenste Periode seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen in Deutschland im Jahr 1881 gewesen sein. Seit Anfang April sei gefühlt Sommer, sagte Friedrich. Rekordniveau erreichten vor allem die Monate April und Mai. Bis Ende Juli war es dem DWD zufolge im Schnitt 3,6 Grad wärmer als im langjährigen Vergleich. Endgültig könnten die Experten erst gegen Ende August mitteilen, ob es sich tatsächlich um einen Rekord handelt. „Noch können wir nichts Eindeutiges sagen.“ Aber ein Trend sei deutlich erkennbar.

Bis zum 20. August fielen laut DWD in diesem Sommer lediglich etwa 113 Liter Regen. „Das ist weniger als die Hälfte des vieljährigen Mittelwerts der Niederschlagsmenge“, sagte Friedrich. Der wenige Regen hat in Deutschland zu einer lang anhaltenden Dürre geführt, die Landwirten vielerorts zugesetzt hat. Sie beklagen Ernteausfälle und haben Schäden in Milliardenhöhe bei der Bundesregierung gemeldet. Teiche und Flüsse sind ausgetrocknet, vielerorts herrschte hohe Waldbrandgefahr. Besonders trocken war es in Sachsen-Anhalt.

Örtlich stiegen die Temperaturen in diesem Sommer auf fast 40 Grad, Spitzenreiter ist bislang Bernburg in Sachsen-Anhalt, wo am 31. Juli 39,5 Grad gemessen wurden. Den Allzeit-Hitzerekord behält allerdings Kitzingen in Bayern. Sowohl am 5. Juli 2015 sowie am 7. August 2015 registrierte der DWD an der dortigen Messstation 40,3 Grad Celsius.

Tropennächte, bei denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, gab es ebenfalls einige. Besonders warm war es in der Nacht zum 1. August. So erlebte Berlin mit einem Tiefstwert von 24,4 Grad an zwei Messstellen seine bislang wärmste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

(mba/dpa)