Werbeprofi wählt Insolvenz zum Rückzug

Werbeprofi wählt Insolvenz zum Rückzug

Die Saarbrücker Werbeagentur Maksimovic und Partners ist in der Insolvenz. Aber nicht, weil sie pleite ist, sondern weil sie von den Mitarbeitern fortgeführt werden soll. Deren Kündigung wäre zu teuer geworden.

Ivica Maksimovic, Mit-Inhaber der Werbeagentur Maksimovic und Partners in Saarbrücken und Professor für Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar, wählt eine eher ungewöhnliche Art, sich aus seiner Firma zurückzuziehen. Bei der Werbeagentur hat das Amtsgericht Saarbrücken beschlossen, ein Insolvenzeröffnungsverfahren auf Antrag der Geschäftsführerin Petra Maksimovic einzuleiten. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der St. Ingberter Rechtsanwalt Udo Michalsky (Kanzlei Abel & Kollegen) bestellt.

Auf diese Weise will Maksimovic erreichen, dass seine vier Mitarbeiter, die gleichzeitig Partner sind, die Agentur fortführen. Er will ihnen die Firma überlassen und nur noch als Berater tätig sein. Warum hat er dafür auf Anraten seines eigenen Anwalts den Weg der Insolvenz gewählt, obwohl er nach Angaben von Michalsky "nochmals Gelder in die Gesellschaft eingelegt und damit alle Verbindlichkeiten getilgt" hatte?

In erster Linie sei es darum gegangen, wie das Arbeitsverhältnis der vier Mitarbeiter, die künftig nicht mehr die Angestellten ihrer eigenen Firma sein werden, beendet werden sollte. Die Kündigungsfristen liegen hier nach Angaben von Michalsky bei sechs bis sieben Monaten. Als Alternative zur Insolvenz "wäre eine einvernehmliche Aufhebung der Arbeitsverträge in Betracht gekommen", so der Insolvenzverwalter . Sollte die Fortführung der Agentur durch die Mitarbeiter allerdings nicht klappen und sie wären arbeitslos geworden, hätten sie von Seiten der Arbeitsagentur mit Sperrfristen rechnen müssen. Daher seien die Beschäftigten für diese Variante nicht zu gewinnen gewesen, so dass der Weg der Insolvenz gewählt wurde. "Der Insolvenzgrund liegt nicht in einer Überschuldung der Gesellschaft, sondern in den sanierungsfeindlichen Normen des Arbeitsrechtes", sagt Anwalt Michalsky.

Da die Werbeagentur nicht überschuldetet ist, könnte der Insolvenzantrag auch wieder zurückgezogen werden. Dazu müssten rund 15 000 Euro aufgewendet werden. Die künftigen Inhaber der Werbeagentur müssten pro Kopf rund 3000 Euro aufbringen. Außerdem verfüge die Agentur über Vermögen. "Doch allein der Name Maksimovic und Partners dürfte ein Vielfaches hiervon wert sein", ist Michalsky überzeugt. Maksimovic will seine Gesellschafter-Anteile auf die Mitarbeiter unentgeltlich übertragen. Außerdem sei Maksimovic bereit, auf ein von ihm eingebrachtes Darlehen zu verzichten oder es im Forderungs-Rang nach hinten zu stellen.

Der Werbeprofi ist davon überzeugt, dass sich die Agentur auch weiterhin "durch sehr hohe Qualität in ihrer Arbeit auszeichnen wird". Die bevorstehende Umstrukturierung und Anpassung der Agenturphilosophie werde auch dazu führen, "dass neues Potenzial erschlossen wird".

Die renommierte Agentur existiert seit rund 25 Jahren. Sie hat nach Angaben von Maksimovic mehr als 150 Kreativpreise eingeheimst. Der Kundenkreis reicht von der Arbeitskammer Saar bis zum Schweizer Uhrenhersteller Zeitwinkel. Der gebürtige Serbe, Jahrgang 1953, lebt seit 1962 in Deutschland und studierte Design in Saarbrücken . Von 2004 bis 2013 war er Rektor der HBK Saar.