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Wer wird neuer Saar-Museumschef?

Saarbrücken. Einer der beiden wird künstlerischer Vorstand der Stiftung Kulturbesitz: Dr. Barbara Steiner (46) oder Dr. Roland Mönig (47). Sie werden sich am 13. September in Saarbrücken dem Kuratorium vorstellen. Das erfuhr die SZ aus sicherer Quelle. Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Es dürfte kein Zufall sein, dass die Endrunden-Kandidaten, die sich nächste Woche in Saarbrücken einfinden, beide Museumsbau-Erfahrung haben, in Saarbrücken ist der Weiterbau des Vierten Pavillons zu stemmen. Dr. Barbara Steiner (46) und Dr. Roland Mönig (47) heißen nach SZ-Informationen die von der Findungskommission als gleichrangig erachteten Favoriten. Das Kultusministerium wollte dies gestern nicht bestätigen.

Barbara Steiner, bis vor zwei Jahren Chefin der Leipziger Galerie für zeitgenössische Kunst (GfZK), war zwischen 2002 und 2004 mit einem Erweiterungsbau für eine denkmalgeschützte Gründerzeitvilla betraut. Damit räumte sie einige Preise ab. Das Zusammenspiel von Architektur, Kunstpräsentation und -rezeption beschäftigt Steiner, die derzeit als freie Kuratorin arbeitet, auch als Autorin.

Mönig hat in Kleve die langjährige Umgestaltung des klassizistischen Friedrich-Wilhelms-Bad-Komplexes mitbetreut, er ist seit 1997 stellvertretender Leiter des Museums Kurhaus Kleve, bis April 2012 war er Interimschef. In diese Zeit fiel die Ausstellung "Carl Andre", die von internationalen Kunstkritikern als "Besondere Ausstellung des Jahres 2011" ausgezeichnet wurde. Mönig, in Bochum geboren, hat dort Kunstgeschichte und Germanistik studiert (Dissertation zu Franz Marc) gilt als Kenner der klassischen Moderne, Herzstück der Saarbrücker Sammlung. Die Sammlung in Kleve verwahrt den Nachlass des Bildhauers Ewald Mataré (1887-1965), die Gegenwartskunst überwiegt. Joseph Beuys, Gerhard Richter, Christo oder Richard Serra sind vertreten, die Fotografie (Gursky, Ruff, Struth) nimmt einen breiten Raum ein.

Das Museum Kurhaus Kleve ist ein Haus in der Provinz. Trotzdem, sagt der Kunstredakteur der "Rheinischen Post", Bertram Müller, sei es gelungen, immer wieder überregionale Presse für das Haus zu interessieren. Mönig hält er für einen "kompetenten Mann mit sehr gutem Überblick". Die lokale Presse nennt Mönig gar einen "Menschenfischer" für die Kunst. Auf Unverständnis stößt, dass man Mönig nicht zum Direktor beförderte. Seit April 2012 hat er einen neuen Chef. Die Vorstandsaufgabe in Saarbrücken wäre wohl der entscheidende Karriereschritt nach vorne.

Mönigs Mitbewerberin, die gebürtige Österreicherin Barbara Steiner, studierte in Wien Kunstgeschichte und Politikwissenschaften. Ihre Berufsbiografie - auch ihre Arbeit als Kuratorin und Direktorin in Leipzig (2001-2011) - begleiten Forschen und Schreiben. Ausgesprochen vielfältig ihre Themen, auf die soziale Gegenwart gerichtet: "Schrumpfende Städte" etwa oder "Kulturelle Territorien". Auch mit der Kunstproduktion im Postkommunismus oder Erinnerungskultur und Gedächtnispolitik hat sie sich beschäftigt. Beispielhaft für Steiners Arbeit steht ihr jüngstes Projekt "Europe (to the power of) n", eine Ausstellungsreihe, die sie für das Goethe-Institut entwickelte und leitete. Künstler und Kuratoren aus der ganzen Welt entwarfen 30 Szenarien zu Europa, ausgestellt wurde unter anderem in Brüssel, Istanbul, London, Minsk und Peking.

Die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig - der Sammlungsschwerpunkt liegt auf der (DDR-)Kunst nach 1950/60 - hat Steiner offensichtlich auf eigenen Wunsch verlassen. Dass die Institution den Ruf genießt, besonders fortschrittlich zu sein, dürfte auf Steiners Arbeit basieren.