Wer sind die größten Monster in der Familie?

Wer sind die größten Monster in der Familie?

Am Sonntag hatte in der Sparte 4 in Saarbrücken ein herausragendes Stück Premiere: „Ephebiphobia (Angst vor Teenagern)“ von Tamsin Oglesby erzählt mit geschliffenen Dialogen und einigem Humor vom Krieg der Generationen in der Familie.

Nachts leeren sie Papas Hausbar oder kommen erst morgens heim, treffen sich mit den falschen Jungs und wollen in der Schule nichts mehr leisten. Ach, diese Jugendlichen - sind sie nicht alle schreckliche Monster? "Es fühlt sich an, als ob ein Alien in ihren Körper gelangt ist und das Cockpit übernommen hat", sagt Vater Jim über seine 16-jährige Tochter Fran beim Psychologen, ebenso ratlos wie seine Frau El, der als Vorschul-Lehrerin eine Beförderung bevorsteht.

"Ephebiphobia (Angst vor Teenagern)" nennt die junge britische Erfolgsautorin Tamsin Oglesby ihre bitterböse Komödie. Vortrefflich hat sie Jörg Wesemüller für die Sparte 4 inszeniert. Das Raffinierte an diesem Lehrstück über den Konflikt in der Kleinfamilie: Bevor sich die Eltern und Pädagogen genüsslich nickend im Zuschauersessel zurücklehnen können, dreht die britische Autorin den Spieß um. Auf dem Psychotherapie-Stuhl, den das Paar sehr schnell ihrem "Mäuschen" zuschiebt, um sie wieder hinbiegen zu lassen, offenbart sie allmählich ihre eigenen Ängste, von denen die egozentrischen Alten nichts ahnen.

Eigentlich, so merken wir, ist diese Fran ganz vernünftig. Staatstheater-Neuzugang Sophie Köster (25) gibt diese 16-Jährige verblüffend authentisch, mit groß staunenden Augen und jenen großen eckig-coolen Gesten, mit der Jugendliche ihre Unsicherheit gern übertünchen wollen. Dass sie vor Erwachsenen auf der Hut ist, mag man ihr kaum verdenken. "Ich bin nicht Deine Freundin", unterbricht sie den heimlich trinkenden Vater, als der sich mal wieder jovial-liberal anzuschleimen versucht. Andreas Anke bietet die Rolle mal wieder die beste Möglichkeit, den schwammigen Kotzbrocken zu spielen. Zu Höchstform läuft auch Nina Schopka als Mutter auf. Beim Psychologen samtweich-verständnisvoll, gerät sie in hysterische Krämpfe, wenn sie die Strenge geben will und mit ihren zur Rede-Stell-Versuchen bei der schlauen Tochter auch argumentativ abblitzt. Das alles typisch britisch in witzigen, spritzigen Dialogen, voll trockenen Humors. Sinnig ist die chaotische Wohnung, die Jasna Bo{scaron}njak (auch Kostüme) auf der Bühne gebaut hat. Es sind die Eltern, die ihre eigenen Probleme unter den Teppich kehren, die hier schließlich zu Monstern werden.

Nächste Termine: 9., 20. und 30. November, jeweils um 20 Uhr.

sparte-4.de