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Wer hat an der Uhr gedreht?

Saarbrücken. „Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe“ ist ein sehr persönlicher Film-Essay zum Thema Vergänglichkeit und dem Versuch, sie aufzuhalten. Regisseur Philipp Hartmann zeigt seine sehenswerte und unterhaltsame Collage heute Abend in Saarbrücken. Tobias Kessler

Die Zeit ist ein ewiges Rätsel - mal dehnt sie sich, mal rast sie, und immer schiebt sie uns gnadenlos in Richtung des eigenen Endes. Früher oder später umschleicht jeden diese Ahnung. Auch den Filmemacher Philipp Hartmann, der daraus einen originellen, persönlichen, sehr unterhaltsamen Film gemacht hat. "Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe" heißt er und dauert 76,5 Minuten: so viele Minuten wie ein Männerleben zurzeit statistisch im Schnitt an Jahren dauert, erklärt der Film.

Was ist Zeit? Lässt sie sich begrifflich fassen? Und wie sollten wir mit ihr umgehen? Wie wichtig sind Erinnerungen? Und was bleibt von alledem - und uns selbst? Hartmann stellt die Fragen, gibt aber nicht vor, sie beantworten zu können. Lieber umkreist er sie spielerisch. Er besucht die Atomuhr in Braunschweig, zeigt alte Familienbilder und -Filme , gibt seine eigene "Chronophobie" zu - das Leiden an der vergehenden Zeit. Er schwelgt in Kindheits-Nostalgie, erinnert an seinen Vater, der früh in Hartmanns Lebens starb, lässt seine Mutter vom Umgang mit alten und neuen Erinnerungen erzählen und lässt seine Freunde sinnieren - über die Aspekte eines geregelten und eines weniger geregelten Lebens. Trotz aller persönlicher Bezüge wird der Film nicht zur Nabelschau; Hartmann setzt immer wieder auf trockenen Witz, gleichzeitig lässt er die Schrecken des menschlichen Verfalls durch den Lauf der Zeit nicht außen vor: Das nahezu kommentarlose Zeigen des "Uhrentests" für Alzheimer-Patienten - sie müssen ein Zifferblatt mit der Zeit 10.55 Uhr zeichnen - ist erschütternd: Anfangs noch deutliche Ziffern werden zu Kreisen, als fänden die Kranken in die Bildwelt der Kindheit zurück. Wie kann man umgehen mit dem Nachlassen der Kräfte, damit, dass das Leben endlich ist? Antworten kann und will der Film nicht liefern - aber er gibt viele Anregungen, darüber nachzudenken. Die heutige Diskussion mit dem Filmemacher verspricht, interessant zu werden.

Heute Abend stellt Philipp Hartmann seinen Film im Kino Achteinhalb (Sb) vor, die Vorstellung beginnt um 20 Uhr.