Wenn der Digitalpreis das Pappschild ablöst

Wenn der Digitalpreis das Pappschild ablöst

Das Glas Honig kostet 3,99 Euro – so steht es auf dem Papierschild am Regal. Inzwischen gibt es in immer mehr Läden digitale Preisanzeigen. Hier einige Fragen und Antworten rund um die neuartige Form der Preisauszeichnung.



Warum stellen Geschäfte auf digitale Preisschilder um?

Preise am Computer ein- und umzustellen, ist vor allem eine große Arbeitserleichterung. Rund 15 000 Artikelpreise gibt es in einem durchschnittlichen Supermarkt. Und wegen Rabatt-Aktionen oder Veränderungen bei den Produktangaben müssen die Mitarbeiter Woche für Woche mehr als 100 Papieretiketten an den Regalen per Hand austauschen, wie ein Sprecher der Handelskette Rewe erläutert. Das kostet Zeit, und es können auch Fehler passieren - zum Ärger der Kunden .

Wie läuft die Umstellung auf digitale Preisschilder?

Mehrere große Ketten haben begonnen, ihr Filialnetz Schritt für Schritt umzurüsten. Rewe installiert seit Ende 2013 bei Neubauten und Renovierungen digitale Anzeigen. Der Elektrohändler Media-Saturn will nach einem Test alle 420 Märkte in Deutschland umstellen. Neben dem Preis werden auf den E-Schildern auch die Bezeichnung und wichtige Angaben zum Produkt angezeigt, wie eine Sprecherin sagt. Die neuen Schilder sollten den Kunden zudem das Vertrauen geben, "dass wir stets einen aktuellen und günstigen Preis bieten". Künftig könnten per Smartphone auch weitere Infos oder Filmclips abrufbar sein.

Was sagen Verbraucherschützer zu dieser Entwicklung?

Die Verbraucherzentralen sehen nicht nur Vorteile. Denn digitale Anzeigen schaffen die Voraussetzung dafür, dass Preise theoretisch ständig umgestellt werden können - auch stündlich oder minütlich. "Wir werden beobachten, ob das Realität wird", sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Kurzfristige Rhythmen wie an Tankstellen, an denen Benzinpreise teils mehrmals am Tag schwanken, wären für viele Kunden befremdlich. "Ganz schwierig wird es, wenn der eine Verbraucher einen höheren Preis zahlen muss, der andere aber einen niedrigeren." Was wäre zum Beispiel, wenn eine Tiefkühlpizza abends teurer ist - weil Berufstätige im Stress nach dem Büro wenig Zeit haben und wegen gestiegener Preise nicht noch extra den Laden wechseln?

Was sagt der Handel?

Die Branche weist solche Bedenken entschieden zurück. Ziel sei "definitiv nicht, Preise in Tankstellen-Manier permanent zu ändern und den Kunden zu verwirren", heißt es bei Media-Saturn. Werden Preise umgestellt, dann außerhalb der Ladenöffnungszeiten. Auch bei Lebensmitteln gehörten tageszeitabhängige Rabatt-Aktionen oder tankstellenähnliche Zustände "ins Reich der Fantasie", betont der Rewe-Sprecher. Änderungen oder Sonderangebote würden traditionell "immer und ausschließlich zum Wochenwechsel" vorgenommen. Denn wenn Kunden mitbekämen, dass es kurz nach ihrem Einkauf eine Preissenkung gab, wäre die Reaktion klar: Es gäbe sofort Beschwerden - und die Kunden würden dem Geschäft womöglich auf Dauer den Rücken kehren. Denn herumsprechen würde sich das schnell.

Meinung:

Eine Versuchung für den Handel

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid

Für den Handel wäre es gewiss eine Arbeitserleichterung, wenn die Mitarbeiter nicht mehr jede Woche die alten Preisschilder abhängen und neue aufhängen müssten. Doch die digitale Preisauszeichnung ist für den Handel auch eine große Versuchung, auf steigende Nachfrage mit flexiblen Preisangaben zu reagieren. Doch die Händler würden dann schnell an Glaubwürdigkeit verlieren. Groß angekündigte Werbeaktionen mit Schnäppchenpreisen wären dann das Papier nicht mehr wert, auf dem sie angekündigt werden. Die Kunden würden rasch merken, wenn sie an der Nase herumgeführt würden und entsprechend sauer reagieren.

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