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| 20:15 Uhr

Wenn der Bauklotz denkt

Meinung. Toys 3.0 - so hat die Nürnberger Spielwarenmesse den Trend zur zunehmenden Digitalisierung des Spielzeugs genannt. Damit findet die Messe einen griffigen Namen dafür, dass die technische Entwicklung vor dem Kinderspielzeug nicht halt macht. Neu ist das allerdings nicht Joachim Wollschläger

Toys 3.0 - so hat die Nürnberger Spielwarenmesse den Trend zur zunehmenden Digitalisierung des Spielzeugs genannt. Damit findet die Messe einen griffigen Namen dafür, dass die technische Entwicklung vor dem Kinderspielzeug nicht halt macht. Neu ist das allerdings nicht. Alle Eltern mussten bereits die Erfahrung machen, dass blinkendes, quäkendes Plastik einen deutlich höheren Aufforderungscharakter für Kinder hat als pädagogisch wertvolles Holzspielzeug.Dabei sollte Elektronik nicht per se verteufelt werden. Das Problem allerdings ist, dass diese immer mehr Raum greift - und den Eltern mehr Verantwortung bei der Aufgabe aufbürdet, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Sicherlich gibt es sinnvolle Ansätze, Elektronik spielerisch zu nutzen. Teilweise ist sie ein großer Gewinn. So machen beispielsweise die programmierbaren Lego-Roboter nicht nur Spaß, sie schulen auch das logische Denken. Und das prämierte Geister-Suchspiel "Schnappt Hubi" hat im vergangenen Jahr auf brillante Weise bewiesen, wie Computer-Spiele bereichern können. Auch die von Ravensburger entwickelte Tip-Toi-Technik ist ein gangbarer Weg, Bücher und Elektronik zu verknüpfen und Kinder quasi spielerisch auf die vernetzte Welt vorzubereiten.

Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn Elektronik zum Selbstzweck wird. Elektronische Holzklötze, die den Weg zum vorgegebenen Bau weisen, sind ebenso tödlich für kindliche Kreativität wie blinkende, sprechende Feenhäuser, die ansonsten nichts zu bieten haben. Hier sind Kinder glücklicherweise meist intelligent genug, die Täuschung zu durchschauen. Solch sinnfreies Spielzeug landet dann in der Ecke. Und der Hinweis auf die erlebte Enttäuschung bietet eine gute Diskussionsgrundlage, wenn es darum geht, weitere Geldverschwendung dieser Art abzulehnen.

Anders sieht es bei Spielzeug aus, das auf Suchtpotenzial ausgelegt ist. Sicher ist es schwierig, Kindern komplett von Gameboy und Co fernzuhalten. Viel zu oft werden Kinder aber leichtfertig mit Geräten dieser Art ruhig gestellt. Ohne klare Regeln, zeitliche Beschränkungen und alternative Beschäftigungsangebote passiert genau das, wovor Hirnforscher Manfred Spitzer warnt: Eltern verordnen ihren Kinder den geistigen Abstieg.

Letztlich ist es die bittere Wahrheit: Spielzeug sollte anregen - viel zu oft wird es aber zum Ruhigstellen genutzt. Sicherlich ist es einfacher, die Kinder daddeln zu lassen, als sie zum Spielen vor die Tür zu schicken. Wenn es gelingt, bleiben diese aber gerne draußen. Und dann, oh Wunder, braucht es zum Spielen gar keine Elektronik. Dann reichen auch eine Pfütze, ein Stöckchen oder - am allerbesten - andere Kinder.