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Wenn das Auto das Steuer übernimmt

Saarbrücken. Bereits heute können Autos die Fahrer über Assistenz-Systeme unterstützen. Diese sind die Vorstufe zum autonomen Fahren. Das Saarland will bei dieser Entwicklung Vorreiter werden. Joachim Wollschläger

Zügig fährt das Auto durch die zugeparkte Wohnstraße. Plötzlich rennt ein Kind auf die Fahrbahn. Unwillkürlich leitet das Auto eine Vollbremsung ein. Autos können über Kameras ihre Umwelt wahrnehmen und ihre Erkenntnisse in das Fahrverhalten einfließen lassen, sagt Uwe Franke, der bei der Daimler AG für Entwicklung zuständig. "Der Mensch braucht bis zum Bremsvorgang eine Sekunde, das Auto entscheidet schon nach einer halben Sekunde für die Bremsung", beschreibt Franke den Nutzen solcher Assistenzsysteme. Bei 50 Stundenkilometer macht das sieben Meter weniger Bremsweg aus - die möglicherweise ein Leben retten.

Das Thema Autonomes Fahren bestimmte am Mittwoch das 9. Unternehmertreffen des Clusters automotive.saarland im großen Saal der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Saarbrücken . Und wie Franke zeigte, ist die Technik schon weit fortgeschritten. Nun allerdings gelte es, die Technik so weiterzuentwickeln, dass diese in hoch automatisierten Fahrzeugen auch das selbstständige Fahren übernimmt. Und zwar so zuverlässig, dass nicht mehr der Fahrer für Fehlfunktionen haften müsse, sondern den Autohersteller.

Dass Autos grundsätzlich eigenständig fahren können, hat Daimler allerdings bei einer 100 Kilometer weiten Testfahrt ebenso bewiesen wie der Zulieferer Delphi. "Die Messsysteme funktionieren", sagt Franke. Verbessern müsse sich noch das Verständnis der Daten - damit nicht der Blumenkübel in der Straßenmitte eine Vollbremsung auslöst.

Der Zulieferer Delphi, der seine Testfahrzeuge bereits im Silicon Valley und Las Vegas auf die Straße geschickt hat, fordert ähnliche Testmöglichkeiten auch für Deutschland. "Wie in den USA müsste es Sonderzulassung für autonome Fahrzeuge auch in Deutschland geben", sagte Delphi-Vertreter Thomas Aurich . "Das Saarland können wir nicht simulieren."

Bei der Saar-Politik dürfte Aurich mit dieser Forderung auf offene Ohren treffen. Wirtschafts-Ministerin Anke Rehlinger (SPD ) will das Saarland zum Vorreiter beim Thema Autonomes Fahren machen. "Wir sollten als Autoland an der Spitze bei der Entwicklung dieses Zukunftsthemas stehen", sagte sie. Dass saarländische Forschung die Grundlage für Fahrer-Assistenzsysteme und damit auch das autonome Fahren gelegt hat, zeigte Uni-Professor Joachim Weickert. Seine Arbeitsgruppe für mathematische Bildanalyse hat in mehreren Studien die theoretischen Grundlagen erarbeitet, mit denen über Kamerabilder Bewegungen erkannt und berechnet werden können. Letztlich gehe zwar alles auf Gleichungen mit zwei Unbekannten zurück, wie man sie aus der Schule kennt. Weil aber zeitgleich sehr viele dieser Gleichungen gelöst werden müssen, haben die Saar-Mathematiker weltweit anerkannte Rechenmodelle entwickelt. "Der optische Fluss ist das Schlüsselkonzept für Fahrerassistenzsysteme", sagt Weickert mit Blick auf die Saarbrücker Grundlagenforschung.