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Wenn Autos von alleine fahren

Saarbrücken. Das Saarland braucht eine größere Teststrecke für Autos, die ohne Steuerung durch Menschen fahren. Man kann in der Weiter-Entwicklung bundesweit spitze werden. So sehen es die Spezialisten für Informationstechnologie Wolfgang Wahlster und August-Wilhelm Scheer. Thomas Sponticcia

Das Saarland hat die Chance, sich in der Entwicklung selbstfahrender Autos, die ohne Steuerung durch einen Menschen unterwegs sind, bundesweit einen Spitzenplatz zu verschaffen. Davon sind der Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken , Wolfgang Wahlster , und der IT-Unternehmer August-Wilhelm Scheer überzeugt.

Weil es schon erste erfolgreiche Versuche im Saarland gebe, werben Wahlster und Scheer dafür, diesen Wettbewerbsvorsprung zu nutzen. "Wir können das Mekka für die Entwicklung dieser Fahrzeuge werden. Die Chance ist da", sagt Wahlster. Die Region biete alle notwendigen Voraussetzungen: eine starke Informatik sowie kompetente Autohersteller und -zulieferer. Die Vorstände von BMW und Volkswagen etwa, mit denen sich Wahlster noch in dieser Woche treffen wird, hätten bereits großes Interesse an einem Ausbau der Forschungen signalisiert, wie sie am DFKI laufen. Jetzt müsse man es gemeinsam mit der Unterstützung des Landes schaffen, weitere Forschungsaufträge aus der Autoindustrie an die Saar zu holen.

Das DFKI hat bereits ein eigenes kleines Elektroauto entwickelt, in dem nach und nach immer mehr intelligente Module getestet werden, die das Auto leistungsfähiger machen. So ist es jetzt schon möglich, Warnhinweise aus vorausfahrenden Fahrzeugen auf Gefahrenquellen zu empfangen, etwa eine Panne, oder auch Informationen von Verkehrsampeln, wie lange die Grünphase noch andauert.

Solche Möglichkeiten werden im Saarland auf einer kleinen Teststrecke in Merzig auf die Praxistauglichkeit hin überprüft. Doch hier setzt die Kritik von Wahlster an. Die bisherige Teststrecke sei deutlich zu klein. Seiner Ansicht nach braucht man ein größeres Umfeld, also eine Autobahnabfahrt, eine Landstraße und städtisches Gebiet. So könne man möglichst viele Formen elektronischer Unterstützung erproben.

Dafür ist nach Angaben des DFKI-Chefs allerdings auch ein zweistelliger Millionenbetrag nötig. Die Strecke könne man gemeinsam mit der Industrie weiterentwickeln, die Finanzierung solle das Bundesverkehrsministerium sicherstellen. Doch auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU ) müsse erst überzeugt werden, zumal sich der Minister bisher auf Tests auf der Bundesautobahn A 9 konzentriert habe.

Wahlster und sein Kollege Scheer halten das Projekt für dringend notwendig, zumal die Autobranche mit den Neuentwicklungen vor einer Revolution stehe, die gerade die Zulieferer besonders stark betreffe. Intelligente Elektrofahrzeuge wie etwa die des US-Herstellers Tesla kämen nahezu ohne Getriebe aus, so Scheer. Das bedeute, dass sich Spezialisten wie ZF auf völlig neue Marktbedingungen einstellen müssten. Der Getriebe-Hersteller ZF habe durch die Übernahme von TRW Automotive, einem Spezialisten für Sicherheitsanforderungen im Auto und autonomes Fahren, bereits reagiert.