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LSVS-Skandal
Wenig Kontrolle und viel Nähe nicht nur im Saar-Sport

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Zwei der wesentlichen Ursachen für die Missstände beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) sind wohl zu wenig Kontrolle und zu viel Nähe. Hinzu kommen offenbar leichtfertiges Vertrauen, fragwürdige Interessenkonflikte und schlechtes Krisenmanagement. Von Peter Stefan Herbst
Peter Stefan Herbst

Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung

Gestern hat der Bund der Steuerzahler die Mitglieder des Präsidiums des Sportverbandes massiv kritisiert: Hätten dessen Mitglieder sich die Prüfungsberichte angeschaut, wären sie seit Jahren über die Verlustsituation informiert gewesen. Der Vorwurf wiegt schwer. Sitzen doch mit Landtagspräsident Klaus Meiser (CDU), dem saarländischen DGB-Chef Eugen Roth (SPD) und dem ehemaligen Landrat und Sparkassenpräsidenten Franz-Josel Schumann (CDU) mindestens drei prominente Mitglieder in dem achtköpfigen Gremium, die in solchen Fragen viel Erfahrung und eine besondere Kompetenz haben sollten. Saßen und sitzen sie doch teilweise hochdotiert in unzähligen Aufsichts- oder Verwaltungsräten.



Laut Satzung ist das Präsidium mit der Leitung des LSVS betraut. Insbesondere gehört die Aufstellung des Haushaltsplanentwurfes, der Vollzug des Haushalts und die Vorprüfung des Jahresabschlusses zu seinen Aufgaben. Hier können sich die Präsidiumsmitglieder nicht herausreden. Sie sind verantwortlich. Dass Meiser als Präsident des Sportverbandes anfangs den suspendierten Hauptgeschäftsführer Paul Hans massiv in die Schusslinie geschoben hat und ihn zum Alleinverantwortlichen für das Millionen-Defizit machte, war unredlich: Entweder haben er und das Präsidium Hans zu leichtfertig vertraut, ihn zu wenig kontrolliert oder beides. Die LSVS-Führung steht jedenfalls nicht gut da, auch wenn es die Betroffenen völlig anders sehen. Dass die innerverbandliche Kritik und die aus der Politik zu Beginn vergleichsweise moderat ausfiel, verschlimmerte eher die Situation. Denn dieser Umstand verstärkte den Unmut vieler Bürger, die hier – wie bei anderen Skandalen – Vertuschung und Vetternwirtschaft vermuten.

Hinter den Kulissen wird die schlechte Krisenkommunikation vor allem Meiser angerechnet. Dass seine Lebensgefährtin und ehemalige Büroleiterin im Landtag zusätzlich auch beim LSVS angestellt war, gilt selbst bei einigen Parteifreunden als politische Instinktlosigkeit. Das Millionenproblem beim LSVS wird so auch zu einem Klotz am Bein der CDU. So wundert es nicht, dass auf den Gängen im Landtag auch die Frage diskutiert wird, ob Meiser noch Landtagspräsident mit Vorbildfunktion bleiben kann. Bei seinen beiden Präsidentschaften und den 14 gemäß den Verhaltensregeln für Mitglieder des Landtages ausgeübten Funktionen in Unternehmen, Körperschaften des öffentlichen Rechts, Vereinen, Verbänden und Stiftungen steht seit langem der Vorwurf der Ämterhäufung im Raum. Der trifft ihn nicht allein, sondern auch andere Parlamentarier wie den LSVS-Präsidiumskollegen Roth. Verantwortungsvolle Politiker sollten schon den Anschein von zu viel Nähe, Interessenkonflikten und Überforderung vermeiden.