Wendehammer in der Rettenstraße Wellesweiler sorgt für Ärger

Wie viel Platz braucht es? : In der „Rette“ kreiselt Ärger

Anwohner der Rettenstraße fühlen sich bei Bau des Wendehammers von der Stadt übergangen. Die weist Kritik zurück.

„Wendehammer in der Rettenstraße ist der Hammer“ hat Silvia Zimmer an unsere Redaktion geschrieben. In einer „Nacht- und Nebelaktion“ seien Bauarbeiten erledigt worden, ohne vorige Information der Anwohner. Das Projekt sei zudem „überdimensioniert“, habe Grünland gekostet. Wenn der nächste Starkregen käme, werde es in der Rettenstraße „eine schöne Matschrunde und verstopfte Schächte“ geben.

Die SZ hat sich mit Silvia Zimmer zum Ortstermin verabredet. Mit dabei, Ehemann Roland Zimmer und mit Olaf Dier, ein weiterer Anwohner. Die langgezogene Rettenstraße im Neunkircher Stadttteil Wellesweiler durchläuft ein Wohngebiet. Eine Sackgasse. Dahinter freies Feld. Eine Wendemöglichkeit gab es immer, nur kleiner. Die Anwohner zeigen die alte Grenze: „Die Autos sind ein Stück den Feldweg reingefahren, haben zurückgesetzt und konnten weiterfahren.“ Probleme hätte es lediglich für die 40-Tonner gegeben, „die sich ab und zu auf die Rette verirren“. Vom Navigationssystem fehlgeleitet. Denn wo wollten sie in dieser Sackgasse hin?

Der neue Wendehammer, besser Wendekreisel, liegt als große, schwarze Fläche vor Augen. Die Baufirma habe Wochen gearbeitet, ungezählte Laster seien gekommen, hätten Wiese abgetragen, die Fläche aufgefüllt, mit schwarzem Schotter bedeckt, wie die Anwohner erzählen. „Wir haben gehört, dass in ein paar Monaten, wenn sich die Anwohner beruhigt hätten, noch eine Asphaltdecke obendrauf kommen soll.“ Dann wäre der Grund auch noch versiegelt.

Silvia Zimmer hat nach Auftauchen der ersten Laster Ende Juni, Anfang Juli per E-Mail die Stadt Neunkirchen um Informationen gebeten: „Sie haben mir zurückgeschrieben, dass der neue Wendekreisel wegen der Müllfahrzeuge gebaut wird.“ „Aber warum hat man uns nicht informiert?“, fragen die Anwohner. „Wenigstens mit einem Flugblatt.“ Man hätte ja auch gemeinsam überlegen können, ob es so ein großer Wendekreisel sein müsse oder ob es auch andere Möglichkeiten gegeben hätte. Zimmer bedauert, dass so wieder Natur verloren gegangen sei, Fläche zu versiegen drohe. Dier sagt, er hätte einen anderen Vorschlag gehabt: „Ich wohne ganz oben, an der Wendemarke. Von meinem Grundstück aus hätte man zwei, vielleicht drei Meter Wiese abtragen können, dass hätte doch gereicht.“ Und die Zimmers haben noch eine weitere Frage: „Was das wohl gekostet hat?“

Wir haben bei der Stadt Neunkirchen nachgefragt. „Der Wunsch zum Bau eines Wendekreisels stammt aus dem Wellesweiler Ortsrat“, heißt es im Antwortschreiben der Stadtpressestelle. Bereits seit mehreren Jahren bestehe am oberen Ende der Rettenstraße das Problem, dass Möbelwagen oder Öltransporter, die die Anlieger anfahren müssen, dort nicht wenden könnten. Der Ortsrat sei aus Kostengründen immer wieder vertröstet worden. Dafür habe sich dann aber eine Lösung abgezeichnet: „Da derzeit die Erdmassen zum Bau eines Lärmschutzwalles an der Kompostieranlage sinnvoll eingebaut werden können, konnte die Stadt den Wunsch des Ortsrates nun nahezu kostenneutral umsetzen.“

Die Größe des Kreisels (25 mal 40 Meter) sei so gewählt worden, dass Lkws dort nun gefahrlos wenden könnten. Die Fläche sei wasserdurchlässig mit recyceltem Fräsgut geschottert: „Eine Asphaltierung des Bereiches ist nicht geplant“, widerspricht die Stadt Befürchtungen der Anwohner.

Da die Maßnahme in den Bereich Unterhaltungsmaßnahmen falle, sei eine gesonderte Bürgerinformation nicht vorgesehen, heißt es weiter. Zudem seien wohl nicht alle Anwohner der gleichen Meinung: „Mehrere Anwohner haben sich im Übrigen bedankt, dass die Lkws beim Wenden in diesem engen Bereich nun nicht mehr ihre Vorgärten zerstören.“