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| 20:06 Uhr

Weltenbummler und Wissenschaftler

Saarbrücken. Heute würde man wahrscheinlich Aussteiger sagen. Nicht mal 30 war Alexander von Humboldt und hatte schon eine ansehnliche Karriere im Preußischen Staatsdienst hingelegt. Trotzdem kündigte er 1796 beim Tod seiner Mutter den Posten als Oberbergrat, weil ihm die Erbschaft die ersehnte Reise nach Südamerika ermöglichte Von SZ-Mitarbeiter Welf Grombacher

Saarbrücken. Heute würde man wahrscheinlich Aussteiger sagen. Nicht mal 30 war Alexander von Humboldt und hatte schon eine ansehnliche Karriere im Preußischen Staatsdienst hingelegt. Trotzdem kündigte er 1796 beim Tod seiner Mutter den Posten als Oberbergrat, weil ihm die Erbschaft die ersehnte Reise nach Südamerika ermöglichte. Er ging hinaus in die Welt und folgte dem "ewigen Treiben" in sich, von dem er sagte, es sei "als wären es 10 000 Säue". "Voller Unruhe und Erregung, freue ich mich nie über das Erreichte, und ich bin nur glücklich, wenn ich etwas Neues unternehme, und zwar drei Sachen mit einem Mal." So schreibt Humboldt über sich selbst. Woher aber rührt diese Unruhe, die Humboldt ein Leben lang antreibt? Am 14. September 1769 kommt er in Berlin zur Welt. Als er zehn ist, stirbt sein Vater, der Offizier ist und Kammerherr von Elisabeth Christine, Gattin des Prinzen Friedrich Wilhelm. "Kühle Strenge" herrscht in diesem elterlichen "Schloss Langweil", wie es Alexander nennen wird, der darunter leidet, dass er mit dem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm gemeinsam unterrichtet wird. Oft glaubt der Jüngere so, er sei der Dümmere. Zusammen studieren die Brüder in Frankfurt/Oder und Göttingen. Während Wilhelm ein Gelehrter und Staatsmann wird, widmet sich Alexander den Phänomenen der Natur. Zwar redet die Mutter ihm ein, in Hamburg an der Handelsakademie zu studieren, bald aber emanzipiert er sich und setzt sein Studium in Freiberg an der Bergakademie fort. Er schreibt sein erstes Buch "Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein". Nebenbei richtet er für Kinder der Bergleute eine "freie Bergschule" ein, die er selbst finanziert. Vielseitiges Interesse zeichnet ihn auch bei seinen Reisen aus. In La Coruña schifft er sich 1799 mit 40 Messinstrumenten und seinem Reisegefährten Bonpland nach Südamerika ein. In seinem Bestseller "Die Vermessung der Welt" hat Daniel Kehlmann von dieser Expedition berichtet und den Humboldt-Boom damit ein Stück weit befördert. In Venezuela rudert der Forscher den Orinoco hinauf und entdeckt die Verbindung zum Amazonas. Sein Boot gleicht einer Arche Noah. Er beklagt auf Kuba die Sklaverei und in Venezuela die Despotie der Missionare sowie deren mangelnden Sinn für Nachhaltigkeit. Er entdeckt vor Südamerika den nach ihm benannten Meeresstrom. In Ecuador ersteigt er den Chimborazo, den er für den höchsten Berg der Welt hält.. Er gilt als der letzte Universalgelehrte der Geschichte. Nach sechs Jahren kehrt er zurück nach Europa. In Paris beginnt er, seine Aufzeichnungen auszuwerten. Seine auf 29 Bände ausgelegten Reiseschriften ruinieren mehrere Verleger. "Arm wie eine Kirchenmaus" geht er zurück ins verhasste Berlin, was er sportlich nimmt. Noch einmal geht er 1829 auf Reisen und tritt eine Expedition nach Russland an. Ansonsten studiert er und schreibt die Nächte durch an seinem "Kosmos". Die ganze Welt will er in ein Buch packen. Das "Zusammen- und Ineinanderweben aller Naturkräfte" beschreiben. Er wird so auch der Begründer der modernen Ökologie.Völlig verschuldet stirbt Humboldt am 6. Mai 1859 in Berlin. Aus Anlass seines 150. Todestages ist nun eine Reihe von Büchern über diesen Nomaden der Wissenschaft erschienen - das handliche "Lesebuch" ebenso wie der opulente Prachtband der Reise durch "Zentral-Asien". Beide vom renommierten Humboldt-Experten Oliver Lubrich, der auch schon vorbildlich die Reise zum Chimborazo herausgegeben hat. Wunderbar ausgestattet ist der Band von Frank Holl und die profunde Biographie der Brüder Humboldt von Manfred Geier. Bücher, die ein lebhaftes Bild von dem Mann vermitteln, der in sich eine ganze Akademie vereinigte.Manfred Geier (Hg.): Die Brüder Humboldt. Eine Biographie. Rowohlt, 350 Seiten, 19,90 €Frank Holl (Hg.): Alexander von Humboldt. Mein vielbewegtes Leben. Der Forscher über sich und seine Werke. Eichborn Berlin, 285 Seiten, 29,95 €Oliver Lubrich (Hg.): Alexander von Humboldt. Das große Lesebuch. Fischer, 340 S. , 13,50 €Oliver Lubrich (Hg.): Alexander von Humboldt. Zentral-Asien. Das Reisewerk zur Expedition 1829. Fischer, 925 S., 78 €Diese und weitere Buchempfehlungen versandkostenfrei bestellen:www.saarbruecker-zeitung.de/empfehlungen