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Weltenbummler und sanfter Poet: Georges Moustaki ist tot

Paris. Er war ein Kosmopolit, ein Bohemien und vor allem ein begnadeter Sänger und Komponist der leisen Töne: Georges Moustaki. Gestern starb er im Alter von 79 Jahren in Nizza. Von SZ-Mitarbeiter Gerd Heger

Immer, wenn er in der Saarbrücker Congresshalle auftrat, musste ein Pingpong-Tisch bereit stehen. Tischtennis gehörte zu seinen Leidenschaften, wie Yoga, Motorradfahren, Tabak, die Kunst der Liebe und die der Musik aus der ganzen Welt. Kosmopolitisch war schon die Familie, in die der junge Guiseppe Mustacchi 1934 im mittelmeergesättigten Alexandria hineingeboren wurde. Als er 1951 in Paris ankam, beherrschte er fünf Sprachen, schrieb schon Lieder - und rutschte blutjung dank seines Förderers Georges Brassens in die Szene der "Rive Gauche" hinein: Georges Moustaki - der Künstlername als Hommage.

Wie bei anderen übernahm Edith Piaf zwischen Plumeau und Brettern die Ausbildung zum echten Künstler, "Jo" textete ihr den Welthit "Milord". Seine eigenen Chansons gehören zum Soundtrack der 60er und 70er, mit "Le Métèque", "Ma Solitude", "Joseph" oder "La Marche de Sacco et Vanzetti" war er präsent an den europäischen Lagerfeuern. Gut bekannt mit "Monsieur Chanson" Pierre Séguy, kam Moustaki regelmäßig ins Saarland, zum SR oder spielte Konzerte. Und brachte dann diese von der Sanftheit und den Rhythmen des Mittelmeers oder Südamerikas geprägte, gelöste Stimmung mit. "Ich habe immer getan, wozu ich Lust hatte", sagte er oft. "Ich hatte keinen Ehrgeiz, brauchte nicht viel. Alles, was mir Erfolg brachte, kam einfach so, durch viele Zufälle." Eine sehr abgeklärte, beneidenswerte Weltsicht, die im schwebenden Ambiente seiner Lieder widerklang, ein leichtes Gleichgewicht, in das er Poesie und akustische Musik meisterhaft zu bringen verstand, auch wenn er, verzeihlich, in den letzten Jahren die Töne nicht immer traf. Unzählig die Begegnungen mit den Großen des Showgeschäfts, den Menschen auf der ganzen Welt, die seine Lieder liebten, den Nachwuchs-Songwritern, die er immer wieder förderte. Inzwischen gibt es sogar einen Georges-Moustaki-Chansonpreis.

Das Auflehnen gegen Krankheit und Tod in den letzten Jahren - der Sänger litt an einer unheilbaren Lungenkrankheit - drückte sich auch nach dem Bühnenabschied 2009 in mehreren perfekt produzierten, anrührenden Alben aus. Moustaki, kurz nach seinem 79. Geburtstag (3. Mai) gestorben, bleibt definitiv kein Métèque, kein "Fremder, den man hasst", sondern ein unverwechselbarer Klang im Herzen des Chansons.

Am Dienstag, 28. Mai, 21 Uhr, erinnert SR2 KulturRadio in der Sendung "RendezVous Chanson" an Georges Moustaki.