Weltbild-Verlag meldet Insolvenz an

Weltbild-Verlag meldet Insolvenz an

Bereits im Sommer 2013 schreckten Berichte über eine mögliche Insolvenz des Weltbild-Verlags auf. Nun verweigert die Kirche weitere Finanzspritzen. Tausende Jobs sind in Gefahr, das Filialgeschäft ist nicht betroffen.

Der angeschlagene katholische Weltbild-Verlag hat Insolvenz beantragt. Es fehlten die nötigen Mittel für die Sanierung des kriselnden Unternehmens, teilte Weltbild mit. Die Gruppe gehört zwölf Bistümern, darunter auch das Bistum Trier, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin. Nicht betroffen sei das gemeinsam mit dem Buchhändler Hugendubel betriebene Filialgeschäft. Auch die Geschäfte in Österreich und der Schweiz sowie der Online-Buchhändler Bücher.de seien nicht tangiert.

Der Weltbild-Verlag beschäftigt mehr als 6000 Menschen. Etwa zur Hälfte sind die Beschäftigten bei der Tochter DBH Buch Handels GmbH & Co. KG angestellt, die die rund 420 klassischen Buchläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt. Der Betrieb soll zunächst weiterlaufen.

Insolvenzverwalter soll Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz werden. Dessen Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner hatte unter anderem die Schlecker-Pleite verwaltet. Eine Prognose zu den Sanierungsaussichten will Geiwitz nach Angaben seines Sprechers noch nicht abgeben. Dafür sei es zu früh.

Auslöser der aktuellen Schwierigkeiten ist der Mitteilung zufolge ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Auch die Aussichten für die kommenden drei Jahre seien trübe - insofern habe sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Unternehmens verdoppelt. "Entgegen der Erwartung der Geschäftsführung" habe sich herausgestellt, "dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird."

Die katholische Kirche verteidigte ihre Weigerung für weitere Finanzspitzen. Die Bemühungen, das Unternehmen wieder zum Erfolg zu führen, seien leider fehlgeschlagen, teilte der Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Peter Beer, mit. Beer ist Aufsichtsratschef bei Weltbild. In den kommenden drei Jahren hätten bis zu 160 Millionen Euro zusätzlich aufgebracht werden müssen, um die Sanierung umzusetzen. Zudem müsse für die Entschuldung ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag angesetzt werden. Ein derart hoher finanzieller Aufwand sei angesichts verbleibender Unsicherheiten nicht zu verantworten.

Im Internet verkauft Weltbild wie der Konkurrent Amazon nicht nur Bücher, sondern auch andere Ware wie DVDs, Spielzeug oder Elektronik. Im klassischen Verlagsgeschäft ist Weltbild ebenso aktiv und bringt jedes Jahr Hunderte Titel raus. Für Schlagzeilen hatte das kirchliche Unternehmen in der Vergangenheit wegen seines Erotik- und Esoterikangebotes gesorgt. Die Kirche will sich seit längerem von dem Verlag trennen, nur über den Weg herrschte Uneinigkeit.

Mehr von Saarbrücker Zeitung