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Berliner Notizen
Weißwurstbuden und grüne Wellen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Martin Schulz  hält sich tapfer. Er sitzt hinten im Parlament, hört zu, führt das eine oder andere Gespräch, als ob nichts gewesen wäre. Der frühere Kanzlerkandidat, SPD-Chef und Möchtegern-Außenminister hat aber auch einen politischen Abstieg hinter sich, Mannomann. Grundsätzlich hat Schulz seinen Optimismus jedoch nicht verloren. In der SPD-Fraktion raunte er am Dienstag einem anderen Abgeordneten zu: „Der FC steigt nicht ab.“ Gemeint war der 1. FC Köln. Abwarten. Von Hagen Strauss


Was ist Horst Seehofer nicht schon alles gewesen: Gesundheitsminister, Ministerpräsident, immer noch CSU-Chef und jetzt Innen- und Heimatminister. Am Freitag ließ er eine Zwischenfrage nicht zu: „Meine erste Rede nach zehn Jahren im Parlament möchte ich ohne Störung halten“, so Seehofer. Das sei ihm gegönnt. Der Grüne Konstantin von Notz schrieb ihm dann ins Stammbuch, wehe, er mache aus seinem Ministerium eine „kleinkarierte Weißwurstbude“. Da musste auch Seehofer breit grinsen.

Der CDU-Mann Thomas Jarzombek verbreitete am Donnerstag im Bundestag eine steile These: Dass die Emissionswerte von Autos im Straßenverkehr so hoch seien, liege auch daran, dass in manchen Städten, „wo die Grünen regieren, die Ampeln so programmiert sind, dass Sie garantiert jedes Mal eine rote Ampel sehen, wenn sie an eine Kreuzung kommen.“ Kann sein, muss aber nicht. Jedenfalls verzeichnet das Protokoll Heiterkeit. Übrigens auch bei den der Grünen.



Ist Olaf Scholz ein Tablet-Muffel? Während die anderen Minister inklusive Kanzlerin am Dienstag bei der Kabinettssitzung auf die flachen Computer zurückgriffen, kam der neue Finanzminister total „old school“ daher – mit Zettel und Stift. Das macht ihn ja irgendwie sympathisch und passt zu seinem Image eines Spröden. Aus dem Finanzministerium hieß es dann aber, Scholz habe sein Tablet nur vergessen. Im Bundestag kramte er es dann demonstrativ hervor. Doch nicht alte Schule.