Weise kritisiert Jobwunder

Weise kritisiert Jobwunder

Erfolg durch Export – so lautet eine der Begründungen für die geringe Arbeitslosigkeit in Deutschland. Doch es gebe auch Schattenseiten, kritisiert jetzt BA-Chef Weise: Zu viele Jobs seien schlecht bezahlt.

Wenige Monate vor der Bundestagswahl mehrt sich die Kritik am deutschen Jobwunder. Viele Arbeitsplätze seien befristet oder schlecht bezahlt und die Einkommensunterschiede würden immer größer, klagt Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA). Ein US-Ökonom meint, die Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft sei zulasten der Arbeitnehmer zustande gekommen.

"Wir haben die Tendenz zu einer zunehmenden Lohnungleichheit", sagte Weise der "Süddeutschen Zeitung". Der Unterschied "zwischen oben und unten" wachse. Wer heute im Geschäftsleben bei der Entwicklung und Produktion von Gütern bestehen könne, der habe eine gute Schulausbildung, bilde sich weiter und habe in der Regel ein gutes Einkommen. Wer nicht mithalten könne, für den blieben, wenn überhaupt, nur niedrig bezahlte Jobs.

Weise sprach sich dafür aus, die Agenda 2010 im Sinne stabilerer Beschäftigungsverhältnisse weiterzuentwickeln. "Viele haben jetzt eine Arbeit, aber die ist oft noch atypisch, gefährdet, befristet, nicht gut bezahlt." Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt nannte Weises Äußerungen in einer Mitteilung "eine deutliche Ohrfeige für diese Bundesregierung. Ihre Arbeitsmarktpolitik kommt nicht dort an, wo sie am meisten gebraucht wird."

Auch der renommierte US-Ökonom Adam Posen hebt die Schattenseiten des Jobwunders hervor und hält den Erfolg der deutschen Unternehmen für kurzfristig. "Es gibt keine Belege für eine besondere Industrie-Erfolgsgeschichte Deutschlands", schreibt Posen, Präsident des in Washington ansässigen Peterson Institute for International Economics, in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Die Welt". Die hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei erkauft durch niedrige Löhne und eine Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse. "Billige Arbeit ist der Hauptgrund des deutschen Exporterfolgs der letzten zwölf Jahre."

Die deutschen Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren versäumt, ihre Wettbewerbsfähigkeit stattdessen durch technologischen Fortschritt und mehr Bildung zu steigern. Die deutsche Investitionsquote liege seit 2001 deutlich unter denen der anderen G7-Staaten, kritisierte Posen.

Die Betriebe planen laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) für 2013 inzwischen deutlich mehr Neueinstellungen als bisher geplant. Es sollten bis zu 250 000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die DIHK-Umfrage. Anfang 2013 hatte die Prognose noch bei 150 000 gelegen. Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der Zeitung: "Der Arbeitsmarkt überrascht einmal mehr positiv."

Die Zeiten sinkender Arbeitslosenzahlen sind nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) allerdings vorerst vorbei. Die Arbeitslosenquote werde dieses Jahr auf 6,9 Prozent steigen - nach 6,8 Prozent 2012, sagen die Berliner Forscher laut "Spiegel" in ihrer neuen Prognose voraus. Hintergrund sei nicht der Verlust von Jobs, sondern eine höhere Zahl von Arbeitssuchenden, etwa aus den Euro-Krisenländern.

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