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Weintrinker, die Wasser predigen

Die dramatischen Appelle der Umweltexperten erschüttern seit vielen Jahren. Doch dieselben Mahner, die morgens nach einem verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten rufen, wehren sich am Nachmittag gegen die Abschaffung der Glühbirne oder einen Zuschlag von ein paar hundert Euro, weil der Neuwagen niedrigere CO{-2}-Grenzwerte einhält. Detlef Drewes

In Brüssel wurden zahlreiche "ehrgeizige Klimaschutzziele" vereinbart, deren Einhaltung wenigstens eine Kehrtwende einläuten sollte. Erreicht wurden die Vorgaben nicht. Weil man Politik eben nicht gegen, sondern nur mit den Menschen machen kann. Und deren Bereitschaft oder Fähigkeit, den eigenen Lebensstil zu ändern, ist durchaus begrenzt.

Vor diesem Hintergrund kann die EU mit dem jüngsten Bericht ihrer Ökologie-Agentur zwar nicht zufrieden sein. Immerhin zeigen die Daten aber, dass die eingeschlagene Richtung stimmt. Luft, Wasser, Böden und Ozonschicht sind noch lange nicht nachhaltig im grünen Bereich. Sie wurden aber wenigstens nicht weiter so dramatisch geschädigt, dass eine Besserung unmöglich wäre. Ein schwacher Trost, denn die schlechten Zensuren überwiegen auf dem Zeugnis der Umweltexperten .

Der EU sind zwar nicht die Hände gebunden. Aber sie hat sehr wohl ein Problem, die notwendigen politischen Schritte so durchzusetzen, dass sie für alle akzeptabel sind. Bis heute haben die Verkehrsplaner in vielen Großstädten noch nicht auf die teils dramatische Luftverschmutzung reagiert. Und wenn in Brüssel wieder mal über neue Grenzwerte für Pkw diskutiert wird, laufen Hersteller und Zubehör-Industrie gleich Sturm. Weil Klimaschutz höhere Auflagen bedeutet, die teuer sind und am Ende den Verbraucher verprellen könnten. Dabei sollte doch eines inzwischen klar sein: Ohne eine umweltbewusste Wirtschaft sind weder soziale Sicherheit noch zukunftsfähiger Umweltschutz zu erreichen. Trotzdem lassen sich öffentliche Mandatsträger viel zu oft vor den Karren jener Interessenvertreter spannen, die in ökologischen Rahmenbedingungen nur neue Fesseln sehen - die daraus entstehende Zukunftssicherung für Betriebe, Jobs und Produkte erkennen sie nicht.

Dabei stimmt der Einwand ja, dass man die Erde nicht retten kann, wenn alleine die EU zu einem Fleckchen grüner Glückseligkeit wird. Doch der Seitenhieb auf die USA, auf China und die Schwellenländer hat lange genug als Ausflucht gedient, um nicht selbst etwas anzufangen, das einen Sog erzeugt. Europa ist auf einem richtigen Kurs - trotz der schlechten Noten im neuen Ökologie-Bericht. Deshalb dürfen solche Papiere nicht entmutigen. Denn tatsächlich bleibt uns nur die Chance, noch offensiver am Umweltschutz zu arbeiten. Notfalls mit allen Mitteln.