Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 00:00 Uhr

Was macht den Mensch zum Menschen?

Saarbrücken. Am Freitag kommt „Blade Runner“ in die Saarbrücker Sparte 4 – als „Live-Film“. Was genau ist das? Und was hat der Regisseur/Autor/Ausstatter Klaus Gehre vor? Tobias Kessler

Der Regisseur bosselt. Klaus Gehre werkelt mit dem Akkuschrauber an Aufbauten in der Sparte 4 herum - darunter ein Modellflugzeug, Barbie- und Ken-Puppen, eine Eule, ein Spielzeugauto. Requisiten eines "Live-Films" namens "Blade Runner", nach Motiven vor allem von Ridley Scotts gleichnamigem Film von 1982 und weniger von Philip K. Dicks Romanvorlage "Träumen Roboter von elektrischen Schafen?" aus dem Jahr 1968 .

Scotts Film und Gehres freischwebende Adaption erzählen von einer Zukunftswelt, in der sich die Menschen menschenähnliche Maschinen schaffen: "Replikanten". Mit Bewusstsein, künstlichen Erinnerungen und Gefühlen: darunter nicht zuletzt die Angst vor dem Tod - ein zutiefst menschlicher Zug also. Und das ist für Gehre das Zentrum des Stoffs: Was ist der Mensch - und was unterscheidet ihn (wenn überhaupt) von einer Maschine mit künstlichem Bewusstsein? Und sind künstlich implantierte Erinnerungen nicht ebenso verlässlich (oder trügerisch) wie real erlebte, die sich über die Jahre immer mehr verändern?

Gehre, Jahrgang 1969, hat den Film damals nicht im Kino gesehen, "ich komme ja aus dem Osten, da lief der damals nicht", aber später entdeckt und für sich genutzt: Aus dem Film hat er ein Skript geschrieben, das dann gestrafft und eingeköchelt, das Personal reduziert - fünf Schauspieler treten auf - und mit eigenen Texten die Gewichtung verändert: Bei ihm sind die Replikanten, erklärt er, anders als im Film "nicht die jungen Übermenschen, sondern Ältere, Reifere, die sich gegen das Älterwerden sträuben. Für Gehre erzählt sein "Blade Runner" somit vom Erwachsenwerden. "Denn Erwachsensein ist für mich das Annehmen einer Situation, so wie sie ist." Replikant Roy (im Film vom platinblonden Rutger Hauer gespielt, hier von Marcel Bausch) muss "damit leben lernen, bald zu sterben".

Die Melancholie des Films findet sich wohl in der Adaption wieder, auch wenn die Inszenierung ein flottes Spiel mit Technik und Requisiten verspricht: Vier Kameras werden im Einsatz sein, Szenen aufnehmen, die dann im Raum projiziert werden. "Alles, was man sieht, wird in diesem Augenblick auch produziert", betont Gehre. "Da sind wir ganz Dogma-mäßig, alles ist live" - und manchmal auch beengt: Eine Szene wird im Technikraum gespielt, mit drei Mimen auf dreieinhalb Quadratmetern. Kleine gemalte Hintergründe werden gefilmt und als Kulissen an die Wände gestrahlt, Spielzeugautos simulieren eine Verfolgungsjagd, Barbie-Puppen singen. Technisch ist das "viel Gefummel", sagt Gehre, "aber wir gucken schon, dass es perfekt wird". Und wenn nicht? "Fehler können auch schön sein."

Premiere: Freitag 27.03.2015, 19.30 Uhr, Sparte 4. Info: www.sparte4.de