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Was ist überhaupt Denken? Ein Kinderbuch erklärt's

Saarbrücken. Ruth Rousselange

Denken lässt sich nicht abstellen, es ist immer da, selbst im Schlaf. Dann könnte man es träumen nennen. Denken verwirrt, quält, inspiriert, bohrt. Beim Denken kann man sich gehenlassen, die Welt ergründen, sie neu erschaffen. Trotzdem ist Denken nicht Wissen, es ist mehr.

In kurzen, präzisen Texten und prägnanten Bildern gehen die flämische Illustratorin Ingrid Godon und der Autor Toon Tellegen der Frage nach, was Denken ist und wozu man es überhaupt tut. Eine bewährte Kooperation, die schon mehrfach bemerkenswerte Bücher zeitigte. "Ich denke" heißt der neue großformatige Band, der poetisch schönen Sätzen feinstrichige, rot und schwarz gehaltene Porträts gegenüberstellt. Sie korrespondieren mit den Texten nicht bloß, sie ergänzen, hinterfragen, ironisieren sie. Manche der Bilder zeigen hinter einer durchscheinenden, roten Folie eine Art zweites Gesicht. Ein Boxer, ein Mädchen, ein zartes Baby, ein wütender Knabe wundern sich über das, was ihnen im Kopf rumspukt und hätten es gerne anders. Manchmal jedenfalls. Denn Gedanken können zwanghaft sein und Angst machen. Ab und an versteht man sich selbst nicht.

Erstaunlich, wie genau dieser Band komplexe, philosophische Ansätze auslotet und auf den Punkt bringt. Auch viele Kinder erarbeiten sich hier die Welt, von Ingrid Godon eigenwillig und liebevoll inszeniert, manche scheinen wie aus der Zeit gefallen mit ihren karierten Strümpfen und braven Hemden. Dass Denken auch befreien kann, ahnen sie.

Toon Tellegen/Ingrid Godon: Ich denke. Mixtvision, 96 Seiten, 29,90 €.