Warum Pflanzen unsere Abwehrkräfte stärken

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesunde Ernährung : Pflanzen stärken unsere Abwehrkräfte

Obst und Gemüse sind gesund, heißt es immer wieder. Doch warum ist das so? Nach jahrelanger mühsamer Arbeit liefern Zellforscher einleuchtende Antworten.

Grippe und Corona können ausbrechen, wenn es unser Immunsystem nicht schafft, die Viren zu eliminieren. Oft jedoch tragen Menschen bereits leichte Infektionen in sich. Dann reicht es nicht mehr aus, sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen. Vielmehr muss das Immunsystem gestärkt werden.

Zum Immunsystem gehören die Schleimhäute. Hier werden bereits die ersten Erreger abgewehrt. In den Lymphknoten sind Abwehrzellen des Körpers versammelt, über die Lymphbahnen werden sie transportiert. Die Milz ist Teil des lymphatischen Systems. Sie speichert ebenfalls Abwehrzellen. Im Knochenmark werden Vorstufen von Abwehrzellen gebildet, im Thymus, einer Drüse hinter dem Brustbein, die ebenfalls zum lymphatischen System gehört, reifen einige aus.

Zum Immunsystem zählen auch die weißen Blutkörperchen und die sogenannten Antikörper, bei denen es sich um spezielle Eiweiße handelt, die der Körper gezielt gegen Eindringlinge bildet, um sie zu bekämpfen.

Die Abwehr wird schwächer Das Immunsystem wird mit zunehmendem Alter schwächer. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass unser Körper im Laufe der Jahre nicht mehr die Vielfalt von Antikörpern bildet, wie das in jungen Jahren der Fall ist. Auch deshalb reagiert das Immunsystem nicht mehr so wirksam auf die große Zahl verschiedener und ständig neuer Erreger.

Zahlreiche Wissenschaftler haben sich daher die Frage gestellt, ob unsere Ernährung das Immunsystem beeinflussen kann. Gibt es Lebensmittel, die vor allem im Alter die Abwehrkräfte stärken?

Entzündungen vorbeugen An der Universität Belfast in Nordirland nahmen 83 Freiwillige im Alter von 65 bis 85 Jahren an einer Studie teil, in der über vier Monate untersucht wurde, ob Obst und Gemüse die Immunabwehr ankurbeln. Eine Gruppe, die schon vor der Studie höchstens zwei oder weniger Portionen Obst und Gemüse pro Tag gegessen hatte, aß weiterhin die gleiche Menge. Die zweite Gruppe verzehrte jedoch während der Dauer der Studie mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich. Eine Portion hatte etwa 80 Gramm: ein Apfel oder eine Apfelsine oder eine Banane oder drei gehäufte Esslöffel Gemüse.

Alle Teilnehmer wurden dann gegen Lungenentzündung geimpft. Im Vergleich zur Gruppe, die nur wenig Obst und Gemüse aß, hatten die Teilnehmer, die täglich fünf und mehr Portionen verzehrten, eine 82 Prozent höhere Antikörperreaktion auf den Impfstoff. Das heißt, ihr Immunsystem war deutlich besser gegen die Erreger einer Lungenentzündung gewappnet.

In einer weiteren Analyse konnten die Forscher zeigen, dass die Gruppe, die fünf und mehr kleine Portionen Obst und Gemüse am Tag gegessen hatte, seltener an Infektionen erkrankte als die Gruppe mit nur zwei oder weniger Portionen am Tag. „Unsere Studie weist darauf hin, dass eine breitere Auswahl von Lebensmitteln, insbesondere Obst und Gemüse, für das Immunsystem vorteilhafter sein könnte als die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln“, schreiben die Belfaster Wissenschaftler.

Loblied auf den Grünkohl Bestimmte Obst- und Gemüsesorten wirken offenbar besonders vorteilhaft aufs Immunsystem und können bei der Abwehr von Infektionen helfen. Forscher der Universität Ehime in Japan haben Grünkohl unter die Lupe genommen. Das nährstoffreiche Gemüse ist reich an Vitamin C und enthält zudem Vitamin K, Folsäure, Kalium, Kalzium sowie Magnesium, Phosphor, Eisen und Zink.

Die Wissenschaftler hatten in Versuchen winzige Mengen von Grünkohlprotein auf menschliche weiße Blutkörperchen in Laborschalen geträufelt. Diese geringe Menge führte zu einer um das Fünffache erhöhten Produktion von Antikörpern in den Blutkörperchen. Die Wissenschaftler konnten auch nachweisen, dass gekochter Grünkohl genauso wirkt wie roher Grünkohl. Auch nach 30-minütigem Kochen war die Produktion von Antikörpern nicht beeinträchtigt.

Die Versuche mit den menschlichen weißen Blutkörperchen wurden jedoch nur in Laborschalen durchgeführt. Eine klinischen Studie mit Patienten gibt es bisher nicht. Doch war der stimulierende Effekt auf die weißen Blutkörperchen, die zu den Immunzellen gehören, schon bei Mäusen beobachtet worden. Die Forscher hatten die Tiere 14 Tage lang mit Grünkohl-Extrakt gefüttert.

Kampf gegen Keime im Darm Warum aber bilden die weißen Blutkörperchen vermehrt Antikörper, wenn sie mit Grünkohl in Kontakt kommen? Oder genereller: Warum kommt unsere Immunabwehr in Schwung, wenn wir Gemüse essen? Eine Antwort haben Forscher der Universität von Texas in Dallas gefunden. Sie hatten untersucht, warum das Immunsystem des Darms aktiv wird, wenn Nahrung eintrifft.

„Bei den meisten Tieren, einschließlich der Menschen, gelangen mit der Nahrung auch Krankheitserreger aus der Umwelt in den Körper“, schreiben die texanischen Wissenschaftler. „Um diese schädlichen Keime zu bekämpfen, wird das Immunsystem bei jeder Mahlzeit hochgefahren. Diese Aktivierung könnte dazu dienen, die Immunität genau dann zu stärken, wenn es erforderlich ist.“

In den Essenspausen hingegen wird das Immunsystem heruntergefahren. Die Immunabwehr muss also nicht immer in Aktion sein. „Dies ermöglicht es, in Zeiten der Nahrungsmittelknappheit Energie zu sparen“, vermuten die texanischen Wissenschaftler.

Es sind aber auch die in Pflanzen enthaltenen Stoffe selbst, die unser Immunsystem in Schwung bringen. Das haben zum Beispiel Forscher der Universitätsklinik Kiel in Tierversuchen gezeigt. Die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe sind meist giftige Substanzen, die Schädlinge und Fressfeinde abwehren sollen. Im menschlichen Körper kurbeln diese Pflanzenstoffe die Immunabwehr an, die dann diese Giftstoffe neutralisiert.