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Wann endet die Börsen-Party?

Der Dax steigt von einem Rekord zum nächsten. Mitte Oktober lag das wichtigste deutsche Börsenbarometer bei 8600 Punkten, Anfang der Woche übertraf es erstmals die Marke von 12 200. Deutlich über 3000 Punkte Anstieg in nur wenigen Monaten - das ist auch bei einer guten Konjunktur ein Riesen-Sprung für den Index der 30 größten deutschen Unternehmen an der Börse.Erinnerungen an das Jahr 2000 werden wach. Joachim Wollschläger

Auch damals, in der sogenannten Dotcom-Blase des ersten Internet-Booms, kannte der Dax nur noch den Weg nach oben. Beim Höchsttand von 8136 Punkten allerdings war der Traum zu Ende - die Blase platzte, viele Aktien verloren bis zu 90 Prozent ihres Wertes.

Droht uns nun ein ähnlicher Absturz? Klar ist auf jeden Fall, der Dax ist auch jetzt überhitzt. Die Höchststände sind vor allem getrieben durch die billigen Zinsen und die Ankündigung der EZB, Milliarden über ihr Anleihe-Ankaufprogramm in den Markt zu werfen. Weil es kaum noch Alternativen gibt, greifen viele Anleger zu Aktien, weil diese zumindest noch halbwegs auskömmliche Dividenden versprechen. Ein riskantes Geschäft, denn selbst eine gute Dividende ist nichts wert, wenn ein Kursabsturz die Substanz der Anlage aufzehrt.

Und doch ist der Dax trotz seiner sogar deutlich höheren 12 000 Punkte mit der Situation von 2000 nicht zu vergleichen. Damals schienen sämtliche Regeln der Vorsicht vergessen. Der Börsengang von Telekom und die Börsengänge am Neuen Markt hatten Scharen von Käufern in die Aktie getrieben, die ohne jede Kenntnis investierten. Weil der Glaube vorherrschte, die Börse verspreche sichere Gewinne, stiegen die Kurse in absurde Höhen. Viele Aktien kosteten damals das 30-fache eines Jahresgewinnes - das Neunfache gilt gewöhnlich als preiswert. Dieses Missverhältnis erklärt auch den dramatischen Absturz. Heute ist die Situation ganz anders: Die Unternehmen sind gesund und schreiben ordentliche Gewinne. Trotz einiger Ausreißer bewegen sich die Kurse der Dax-Aktien laut Börsenportal Onvista bei rund dem 15-fachen des Jahresgewinns. Das ist nicht mehr billig, bewegt sich aber längst nicht auf dem absurden Niveau der Dotcom-Zeit.

Trotzdem wäre es fahrlässig, unerfahrenen Anlegern heute noch zu Investitionen in Aktien zu raten. Sicher, es gibt noch Aufwärtspotenzial im Dax. Doch der Markt ist extrem sensibel. Sollten sich die US-Zinsen wie erwartet wieder erhöhen, kann die Dax-Party schnell zu Ende sein. Sobald es wieder Alternativen gibt, werden Anleger diese nutzen. Zurzeit scheint es beim Dax nur eine Richtung zu geben. Doch jeder erfahrene Bergsteiger weiß, irgendwann geht es auch wieder runter. Die entscheidende Frage lautet: Wann?