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VW und Porsche zerfleischen sich

Stuttgart/Wolfsburg. Der Streit über den Ehevertrag von VW und Prosche eskaliert zur Schlammschlacht. Vorläufiger Höhepunkt: VW legte gestern überraschend die Gespräche über eine Verschmelzung der beiden Autobauer auf Eis. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (Foto: ddp) habe die Unterbrechung eingefordert. In der derzeitigen Lage sehe er keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche Von Stefanie Baumer und Anita Pöhlig (dpa)

Stuttgart/Wolfsburg. Der Streit über den Ehevertrag von VW und Prosche eskaliert zur Schlammschlacht. Vorläufiger Höhepunkt: VW legte gestern überraschend die Gespräche über eine Verschmelzung der beiden Autobauer auf Eis. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (Foto: ddp) habe die Unterbrechung eingefordert. In der derzeitigen Lage sehe er keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche. "Wir sind nicht diejenigen, die um Gespräche gebeten haben. Wir lassen es nicht zu, dass VW und einzelne Personen unseres Unternehmens in Misskredit gebracht werden, weil es bei Porsche keine Linie gibt", lässt Osterloh seinen Ärger raus. VW habe keinerlei Druck. VW bestätigte den Abbruch der Gespräche: "Wir teilen die Meinung des VW-Betriebsrates, die Entscheidung von Osterloh war richtig", sagte ein Sprecher. Porsche versuchte daraufhin zu beruhigen: Die Gespräche würden "ganz normal weitergeführt". Abgesagt sei nur der heutige Termin. Aus VW-Kreisen war zu hören, die Porsche-Führung verkenne die Lage. Es sei eine "Dolchstoßlegende", dass VW Porsche "fertigmachen" wolle. Vielmehr habe die Familie Porsche gebeten, eine Übernahme durch VW zu prüfen. Die finanzielle Situation in Stuttgart sei "äußerst brenzlig". Nach dem Stopp der Gespräche liegt der Ball nun bei den Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch (Foto: dpa) hatte durchblicken lassen, dass er eine Übernahme von Porsche durch VW favorisiert. Ob er sich damit durchsetzen kann oder ob es dem angeschlagenen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gelingt, das Steuer herumzureißen, könnte sich bereits heute zeigen, wenn der Porsche-Aufsichtsrat tagt, dem auch der engste Familienkreis angehört. Auch am Wochenende gab es vom Land Niedersachsen Rückendeckung für VW-Chef Martin Winterkorn als Kopf eines gemeinsamen VW-Porsche-Konzerns. Wiedeking bastelt dagegen angeblich weiter an einer Lösung des massiven Schuldenproblems der Stuttgarter. Er sei auf der Suche nach arabischen Investoren, hieß es. Diese könnten an Porsches Optionen auf VW-Aktien interessiert sein. Porsche hält knapp 51 Prozent an VW und hat dem Vernehmen nach Optionen auf weitere 24 Prozent. Mit dem Verkaufserlös wolle Wiedeking den Milliarden-Schuldenberg abtragen. Für Ärger in Wolfsburg dürfte auch eine von Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück geplante Demonstration vor der heutigen Porsche-Aufsichtsratssitzung sorgen. Tausende Porsche-Mitarbeiter sollen gegen Piëch protestieren. Meinung


Blockierende Fehde

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf Der Familienstreit zwischen den Porsches und den Piëchs ist zwar mindestens so unterhaltsam wie das Intrigenspiel einst in der Fernsehserie "Dallas". Doch verkennen alle an der Fehde Beteiligten den Ernst der Lage. Angesichts der gescheiterten Übernahme Volkswagens durch Porsche und einer die ganze Branche herausfordernden Krise bedarf es schnell einer Lösung für die beiden ja jetzt schon eng verbandelten Autobauer. Eine langwierige Schlammschlacht blockiert konstruktive Fusionsgespräche unnötig. Schließlich haben die Eignerfamilien und Konzernchefs Verantwortung für Zehntausende Arbeitsplätze. Bauten Porsche und VW Autos, die dem Niveau ihrer Streitereien entsprächen, beide Hersteller wären längst Geschichte.