VSE setzt auf Kraftwerk Ensdorf

VSE setzt auf Kraftwerk Ensdorf

Saarbrücken. Wie findet man den Chef am schnellsten, ohne seine Sekretärin zu fragen? Beim saarländischen Energie-Versorgungsunternehmen VSE gibt es da einen landesweit einmaligen Trick. Zumindest noch bis Ende Juni. Auf die Nase setzen. Und einem Zigarilloduft folgen. Bis man ihn schließlich antrifft: Leo Petry (62), Vorstand der VSE

Saarbrücken. Wie findet man den Chef am schnellsten, ohne seine Sekretärin zu fragen? Beim saarländischen Energie-Versorgungsunternehmen VSE gibt es da einen landesweit einmaligen Trick. Zumindest noch bis Ende Juni. Auf die Nase setzen. Und einem Zigarilloduft folgen. Bis man ihn schließlich antrifft: Leo Petry (62), Vorstand der VSE.Einer ist schon am ersten Tag im Haus diesem "Navigationssystem" gefolgt: Hanno Dornseifer (43). Seit Anfang Januar an Bord, wird der ehemalige Chef von Enovos, der früheren Saar-Ferngas, Vorstandsmitglied Petry ab Juli als Steuermann beerben. Noch "beschnuppern" sich beide. Doch die Vorzeichen stehen gut. Denn die VSE hat sich vor allem unter Petry in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich behauptet. Dank seiner klaren strategischen Vorstellungen, aber vor allem wegen seiner stets konsequenten Wahrung saarländischer Interessen, auch gegenüber dem Mit-Gesellschafter RWE.

Die VSE hat sich gewandelt vom reinen Energieversorger zum Dienstleister in zahlreichen Bereichen. Mit der energis für Strom und Gas, der Artelis im Geschäftsfeld Telekommunikation, der Famis zur Betreuung von Gebäude-Management, der Prego für kaufmännischen Service und IT sowie der Voltaris im Geschäftsfeld Energiedaten-Management sowie Zähler-Dienstleistungen. Zusammengenommen beschäftigt die VSE-Gruppe 1700 Mitarbeiter. All dies gilt es erfolgreich zu verteidigen.

Hanno Dornseifer gibt sich schon kämpferisch, diese Schätze künftig noch ein Stück sicherer zu machen. Intern setzt er auf Teamgeist. "Meine Türe ist offen", betont der Manager. Extern würden sich Petry und Dornseifer wohl ein Stück mehr Kooperation wünschen. Hier wären schon präzise Aussagen über den Kurs in der saarländischen Energiepolitik hilfreich. Deshalb erwarten beide Spitzenmanager mit Spannung den von Saar-Umweltministerin Simone Peter (Grüne) angekündigten Masterplan Energie.

Petry und Dornseifer hoffen auf ein Szenario, das möglichst konkret den Planungszeitraum bis 2020 beschreibt. Und nicht unter nebulösen Prognosen leidet, was man denn vielleicht so alles bis ins ferne Jahr 2050 auf den Weg bringen könnte. Die VSE-Führung unterstütze durchaus das Ziel, den Anteil an Erneuerbaren Energien im Saarland bis 2020 auf 15 bis 20 Prozent zu erhöhen. Zumal sich auch die VSE in diesem Geschäftsbereich engagiert. Allerdings gehöre genauso zur Wahrheit, "dass dann auch Schluss sein muss", so Dornseifer. Ein wesentlich höherer Anteil an Erneuerbaren Energien lasse sich unter vernünftigen Kriterien im Saarland kaum noch realisieren. Selbst bei noch so hoher Sympathie müsse man gleichzeitig garantieren, die zahlreichen Industriebetriebe an der Saar mit den übrigen 80 Prozent fossiler Energieträger wie Kohle oder Gas jederzeit und auf Jahrzehnte hinaus störungsfrei versorgen zu können. Deshalb gehöre zur Diskussion über einen Masterplan Energie auch, ein neues Leitbild für das Saarland zu schaffen, das von möglichst vielen Menschen mitgetragen wird. Ein Leitbild, das Investitionen in Industrie-Projekte wieder befürwortet. Und Arbeitsplätze garantiert.

Ob das auch für das Kraftwerk Ensdorf gilt, muss noch offen bleiben. Die Chancen stünden 50 zu 50. Ob die RWE den Standort über 2012 hinaus betreibt, sei unklar. Und auch abhängig von den Rahmenbedingungen. Die sich derzeit eher ungünstig darstellen. Von steigenden Preisen für Importkohle bis zur Unklarheit, wie stark der ab 2013 geltende Handel mit CO2-Zertifikaten die Handlungsmöglichkeiten in Ensdorf beschneidet. Petry und Dornseifer setzen hinsichtlich des sehr attraktiven Kraftwerksstandortes und der langfristigen Weiterentwicklung auf bewährte oder auch neue Partner. Es gilt, für die bevorstehenden Jahre eine tragfähige Lösung zu finden. In diesem Punkt zeigen beide Hoffnung. Man dürfe die Saarländer nicht unterschätzen. Schon manch kreative Idee habe plötzlich für Bewegung gesorgt. "Ich setze auf Teamgeist. Meine Tür

ist offen."

Hanno Dornseifer, VSE-Vorstand

Zur Person

Hanno Dornseifer (43) seit Anfang 2011 im Vorstand der VSE, kommt von der Enovos Deutschland AG in Saarbrücken, wo er seit 2006 tätig war. Der Manager mit den Hobbys Tennis und Joggen gehört als Aufsichtsrat mehreren kommunalen Versorgungsunternehmen an. Er ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes Energie- und

Wasserwirtschaft Saar sowie Mitglied des Vorstandes des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. ts