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Vorstand Göring: V&B muss gesund bleiben

Merzig. Ein ungewohntes Bild bei der Hauptversammlung von Villeroy & Boch: drinnen in der Stadthalle die Aktionäre, draußen rund 50 Demonstranten. Darunter sind viele Frauen und Gewerkschafter. Sie kommen aus dem Luxemburger Werk von V&B, das Ende 2010 geschlossen wird Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Merzig. Ein ungewohntes Bild bei der Hauptversammlung von Villeroy & Boch: drinnen in der Stadthalle die Aktionäre, draußen rund 50 Demonstranten. Darunter sind viele Frauen und Gewerkschafter. Sie kommen aus dem Luxemburger Werk von V&B, das Ende 2010 geschlossen wird. Marcel Goerend, Gewerkschaftssekretär der LCGB moniert: "Der Vorstand hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt. Alternativen gab es nicht." Alain Mattiuli von der sozialistischen Gewerkschaft OGBL fordert zumindest Umschulungen. Unter den Mitarbeitern seien viele über 50, die mehr als 30 Jahre für V&B gearbeitet haben. Zuvor demonstrierten die Luxemburger schon am Stammsitz in Mettlach. In der Hauptversammlung selbst ist wenig zu den bereits im März angekündigten Standortschließungen zu hören. Vorstandssprecher Frank Göring, der künftig als Vorstandsvorsitzender agiert, betont jedoch, es habe keine Alternative gegeben.V&B müsse langfristig gesund bleiben. Deshalb gelte es jetzt, die verbliebenen Arbeitsplätze zu sichern und mit verkleinerten Strukturen die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auf Dauer zu erhalten.Göring spricht von der bisher größten Herausforderung. "Nahezu alle Weltmärkte, auf denen wir agieren, sind im Jahresverlauf 2008 eingebrochen. Ein Flächenbrand." Die Entwicklung sei auch jetzt noch "ernüchternd". Deshalb werde es 2009 "nicht möglich sein, schwarze Zahlen zu schreiben". Sollte die Wirtschaftskrise im laufenden Jahr ihren Höhepunkt erreicht haben, könne sich das aber 2010 schon wieder ändern. Ab 2011 rechnet Göring mit einer leichten Erholung. Unter der Voraussetzung, dass es nicht noch deutlich schlimmer wird, seien die Restrukturierungsmaßnahmen ausreichend. Der Hauptvorteil von V&B im Wettbewerb bleibe die Marke. "Wir sind mit Spitzenprodukten aufgestellt." Man habe auch jetzt Premieren in den Bereichen Tischkultur, Bad- und Wellness vorzuzeigen.Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert den "dümpelnden Aktienkurs, der eine furchtbare Entwicklung genommen hat: von 28 Euro einst auf heute 3,72 Euro". Die Aktie führe ein "Aschenputteldasein", zumal die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht seien und man V&B derzeit in keinem Börsenindex finde.Auch Erhard Braun von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisiert den Verlauf des Aktienkurses, ist jedoch trotz Krise optimistisch und sagte Göring: "Sie schaffen das."Konstruktive Unterstützung wird Göring vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bekommen: Wendelin von Boch (Foto: Oliver Dietze) löst Peter Prinz Wittgenstein ab, der das Amt nach 15 Jahren abgibt, aber im Aufsichtsrat verbleibt.




HintergrundDie Wirtschaftskrise hat im zweiten Teil des Geschäftsjahrs 2008 auch V&B erreicht: Der Jahresumsatz sank gegenüber 2007 um ein Prozent auf 840 Millionen Euro. Im ersten Vierteljahr 2009 ging der Umsatz um 17,5 Prozent auf 182,2 Millionen zurück. Vor Steuern (EBT) fuhr der Konzern einen Verlust von 70,1 Millionen Euro ein, nach einem Gewinn von 8,3 Millionen Euro im ersten Quartal 2008. Das Sparprogramm soll die Kosten jährlich um 50 Millionen Euro senken. ts