Von "Werbung" und Wirklichkeit: Jörg W. Gronius' amüsante Lesung

Von "Werbung" und Wirklichkeit: Jörg W. Gronius' amüsante Lesung

Saarbrücken. Gut besucht, kurzweilig und literarisch genussvoll war die Werkstatt-Lesung mit Jörg W. Gronius (Foto: SZ) im Saarländischen Künstlerhaus. Der gebürtige Berliner Autor, Dramaturg und Librettist, der seit 2006 in Saarbrücken lebt, las Passagen aus seinem "Werbung" betitelten Manuskript. Um Werbung in vielerlei Sinn geht es darin

Saarbrücken. Gut besucht, kurzweilig und literarisch genussvoll war die Werkstatt-Lesung mit Jörg W. Gronius (Foto: SZ) im Saarländischen Künstlerhaus. Der gebürtige Berliner Autor, Dramaturg und Librettist, der seit 2006 in Saarbrücken lebt, las Passagen aus seinem "Werbung" betitelten Manuskript. Um Werbung in vielerlei Sinn geht es darin. Der Ich-Erzähler arbeitet in einer Werbe-Agentur, die herrlich absurde, doch total vernünftig klingende politische Einpeitsch-Slogans für Parteien produziert. Es geht auch ums liebende Werben: In Wien packt den Erzähler die Neugier auf ein junges Mädchen. Dem Worte-Hantierer käme da ein Projekt zupass, das Protokoll einer selbst erlebten Liebesgeschichte, das Wirkliche eben. Dieses Wirkliche setzt Gronius geschickt konträr zur Schein-Realität der PR-Branche.

Gronius' Stil ist ironisch, kritisch politisch, ohne harsch zu sein. Sein Witz wirkt befreiend. Er liest locker und mitreißend von der verlogenen Ödnis des sich politisch gebärdenden Imponiergehabes, von Parteien in der Mitte der Mitte und mediengeilen Kanzlern. Auch jede Menge TV-Satire steckt im Manuskript, neben musikalischen Momenten mit Fokus auf der Operette.

Gronius' Werk ist zudem eine Reisegeschichte und ein Stadtroman mit Wien im Herzen und seinen Kipferln, Häferln, Literaten-Cafés und Heurigen-Orten im Sinn, spielt mit dem Stereotyp, ohne ins Schmalzige abzutriften. Die Erzählperspektive wechselt, der Autor fädelt im Stakkatorhythmus Idee an Idee. Noch ist die Arbeit an "Werbung" nicht beendet, doch bringt der Conte Verlag dieses Jahr Erzählungen von Gronius heraus. Im Künstlerhaus hatman heftig applaudierend Nachschlag verlangt. rr