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Von Menschenleben und Scherbenhaufen

Pari Moradi vor ihren Zeichnungen bei Neuheisel. Foto: K. Krämer
Pari Moradi vor ihren Zeichnungen bei Neuheisel. Foto: K. Krämer FOTO: K. Krämer
Saarbrücken. Die 1977 im Iran geborene Künstlerin Pari Moradi befasst sich mit Tongefäßen als Metapher für den Menschen. In der Galerie Neuheisel in Saarbrücken (Johannisstr. 3a) zeigt sie derzeit ihre Werke unter dem Titel „Fragmente“. Kerstin Krämer

Tongefäße als Metaphern für den Menschen? Um das speziell Weibliche geht es ihr dabei nicht, wie man angesichts der bauchigen Form irdener Vasen und Krüge vermuten könnte. Wohl aber gilt Pari Moradis Interesse dem lebensspendenden Element: Gefäße aus Terrakotta, einem der ältesten Werkstoffe der Kulturgeschichte, gibt es in den unterschiedlichsten Kulturen. Oft spielen sie eine wichtige Rolle in Mythen, Märchen und Überlieferungen - als Versteck, Behausung oder etwas, dem Leben innewohnt und das Leben zu geben vermag. Pari Moradi spürt genau dieser Verbindung zum Ausgangsmaterial Erde nach.

2012 fielen der iranischen Künstlerin auf Mallorca die dort allgegenwärtigen Tongefäße auf, von denen sie sich an Menschen erinnert fühlte: "So wie die Krüge angestoßen und zerbrochen sind und achtlos weggeworfen wurden, so sind auch wir Menschen verletzt, vernarbt und aus der Gesellschaft ausgestoßen." Dieses Thema setzt Moradi seither in seriellen Arbeiten um und treibt es in ihrer aktuellen Ausstellung "Fragmente" auf die Spitze: Hier sind nur mehr Scherben übrig, die sie vor leerem Hintergrund in harmonische Beziehung zueinander setzt - gleichsam als Symbole für Alte, Kranke, Schwache, die einander stützen und dadurch, dass sie in den Bildmittelpunkt gerückt werden, Wert und Würde zurückerhalten.

Seit Samstag sind Moradis Werke, ockerfarbene Leinwandmalerei in Acryl nebst Bleistiftzeichnungen auf Papier, in der Galerie Neuheisel zu sehen. Moradi, 1977 in Teheran geboren, ist Autodidaktin. Nach ihrem Englischstudium in ihrer Heimat kam sie 2002 nach Deutschland, um in Münster Indogermanistik zu studieren. Parallel arbeitetet sie als Model. Gezeichnet hatte sie zwar immer schon, meist Porträts oder Stillleben; der Entschluss, die Berufung zum Beruf zu machen und sich in Acryl auszuprobieren, fiel jedoch erst 2007/08. Moradi startete mit kleineren Ausstellungen und machte sich rasch einen Namen.

Seit drei Jahren lebt Moradi abwechselnd auf Mallorca und in Köln, wo ihr Ehemann, der Fotograf und Kunstsammler Michael Horbach , eine Stiftung mit Ausstellungsräumen unterhält.

Bis 11. April. Di-Fr: 10-13 und 14.30-18.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr.