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Von konventionell bis flippig

Olivia Auclair überzeugte mit ihrem Auftritt und ihrer Stimme in Sulzbach. Foto: K. Krämer
Olivia Auclair überzeugte mit ihrem Auftritt und ihrer Stimme in Sulzbach. Foto: K. Krämer FOTO: K. Krämer
Sulzbach. Fee Badenius aus Witten an der Ruhr und Olivia Auclair aus Belgien sind die Gewinnerinnen des 3. deutsch-französischen Chansonpreises „Sulzbacher Salzmühle“, der am Samstagabend vergeben wurde. Kerstin Krämer

Die "Sulzbacher Salzmühle" ist der wohl einzige Wettbewerb, der die Genres Liedermacher und Chanson unter einen Hut bringt. Mit der weiteren Besonderheit, dass jeweils ein deutsch- und ein französischsprachiger erster Sieger gekürt werden und jeder Teilnehmer automatisch 1000 Euro sicher hat. War 2011 die erste Ausgabe des alle zwei Jahre von der Stadt Sulzbach veranstalteten Preises Georges Brassens gewidmet und die zweite 2013 Reinhard Mey, so stand nun beim dritten Durchgang Georges Moustaki Pate. Im Vorfeld des mit launigen Reden umrahmten und von "Monsieur Chanson " Gerd Heger (SR) moderierten grenzüberschreitenden Wetteiferns waren 121 Bewerbungen gesiebt worden; fünf Künstler schafften es nun am Samstag auf die Bühne der ausverkauften Aula. Das Spektrum reichte von konventionellem französischem Textchanson über poetisch-satirische deutsche Liedermacherkunst bis zu flippiger französischer Kost - was fehlte, war ein wirklich charismatischer Interpret.

Skurril: Alle deutschen Finalisten haben pädagogischen Hintergrund. Mädchenhaft präsentierte sich die ehemalige Erzieherin Sarah Lesch alias "Chansonedde" aus Tübingen, die sich auf der Akustikgitarre selbst begleitete und vor allem für ein Lied mit Kritik am Schulsystem Bravos erntete. Ebenfalls mit Klampfe und unforciert-leichter Stimme unterwegs ist die bereits TV-bekannte Waldorflehrerin Fee Badenius aus Witten . Sie wettkämpfte im Saarland schon beim Kleinkunstpreis St. Ingberter Pfanne und holte nun für ihre duftig dahingetupften, lyrisch-frechen Gedankenflüge einen der beiden mit je 2000 Euro dotierten ersten Preise. Seine schwarzhumorigen Texte - und die Tatsache, dass er seine Schnappatmung im Griff hatte, obwohl seine Freundin gerade im Kreißsaal lag - bescherten dem schwäbischen Musiklehrer Oliver Gehrung (Gitarre , Klavier) den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Der Sonderpreis für ein Lied zum Thema Salz, ebenfalls 500 Euro, ging an den französischen Altmeister Eric Guilleton, der mit Gitarre , Banjo, Flügel und Mundharmonika das traditionellste und zugleich musikalisch komplexeste Programm ablieferte.

Beste Stimme und stärkste Bühnenpräsenz: Olivia Auclair. Die belgische Schauspielerin, sonst mit Band unterwegs, hatte als einzige einen Begleiter mitgebracht (E-Gitarrist Thomas Richard) und konnte sich daher ganz auf's Singen konzentrieren. Ihr quirliger Pop mit ironischen Texten wurde von der Jury (Sängerin Anne Schoenen, Kulturveranstalterin Susanne Wachs, Liedermacher Wolfgang Winkler, Journalist Daniel Mollard, Kultusminister Ulrich Commerçon , der für die erkrankte Perspectives-Chefin Sylvie Hamard einsprang) mit einem verdienten ersten Preis für französischsprachige Interpretation belohnt.