Von der Leinwand auf den Sockel

Von der Leinwand auf den Sockel

Baden-Baden. Als Pablo Picasso sagte, "Die Skulptur ist der beste Kommentar, den der Maler zu seiner Malerei geben kann", definierte er sich sowohl als Maler als auch als Bildhauer. Aber nicht nur Picasso, zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts malten und bildhauerten gleichermaßen

Baden-Baden. Als Pablo Picasso sagte, "Die Skulptur ist der beste Kommentar, den der Maler zu seiner Malerei geben kann", definierte er sich sowohl als Maler als auch als Bildhauer. Aber nicht nur Picasso, zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts malten und bildhauerten gleichermaßen. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden hat nun die großangelegte Ausstellung "Die Skulpturen der Maler. Malerei und Plastik im Dialog" mit 150 Werken von 21 Künstlern organisiert.

Gleichwohl der Ausstellungsrundgang nicht chronologisch konzipiert und der ein oder andere Künstler zu vermissen ist, gibt die Schau einen breiten Überblick. Angefangen bei Honoré Daumier und Edgar Degas, über Künstler der Klassischen Moderne wie Picasso, Georges Braque, Joan Miró, Max Ernst, Henri Matisse, Paul Gauguin, Ernst Ludwig Kirchner sowie zur Kunst nach 1945 mit Alberto Giacometti, Yves Klein, Antoni Tápies, Cy Twombly, Georg Baselitz und Markus Lüpertz, um nur einige zu nennen, zeigen diese Doppelbegabung.

Vom Eingang aus die Haupthalle betretend beeindruckt die Vielzahl der eindringlichen Giacometti-Skulpturen, die ähnlich wie seine Bilder schmale, im Raum verlorene Gestalten zeigen. Im gleichen Saal zeigen die form- und proportionslosen Kreaturen von Willem de Kooning eine überraschende Aktualität. Der Künstler, ein gegenstandsloser Maler, betreibt hier die Auflösung der Figur, die in der Klassischen Moderne ihren Anfang nahm.

Die meisten Künstler übertragen oftmals ihre malerische Formensprache in die Skulptur, wie etwa bei den groben und außereuropäischen anmutenden Holzfiguren des Expressionisten E.L. Kirchner zu sehen ist. Bei Joan Miró hingegen kontrastrieren seine dreidimensionalen surrealistischen Assemblagen die malerische lyrische Abstraktion. Von Pablo Picasso, dem größten Neuerer moderner Skulptur, sind frühe und späte Skulpturen zu sehen. Der aus Blech ausgeschnittene Frauenkopf Jacqueline von 1957 birgt eine ähnliche Physiognomie wie das drei Jahre später entstandene malerische Portrait. Sein "monumentaler Stil" zeigt sich im großen Portraitkopf von Dora Maar aus Bronze und dem Sitzenden Akt mit seinen fülligen körperlichen Rundungen. Leider fehlen Beispiele aus der wichtigen Zeit des Kubismus, wo die Wechselwirkung von Skulptur und Malerei besonders aufschlussreich ist.

Im Obergeschoss wird Marc Chagall ein vielleicht zu breiter Platz eingeräumt, der in Bezug auf die Qualität der Skulptur nicht durchweg gerechtfertigt ist. Die Ausstellung jedoch besticht durch exquisite Werke, darunter viele aus Privatsammlungen und wenig bekannt - ein lohnender Besuch.

Von der Leinwand auf den Sockel
 "Der rote Mann" von Georg Baselitz. Foto: Georg Baselitz
"Der rote Mann" von Georg Baselitz. Foto: Georg Baselitz
 Kirchners "Die Tänzerin" (oben) und "Das Urteil des Paris". Fotos: W. & I. Henze-Ketterer
Kirchners "Die Tänzerin" (oben) und "Das Urteil des Paris". Fotos: W. & I. Henze-Ketterer