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Von der Kanzlergattin zur Landtagskandidatin

Hannover. Doris Schröder-Köpf hat ihren Mann Gerhard schon auf Kurs gebracht. "Wenn ich wegen meiner politischen Arbeit nicht da sein kann, kümmert er sich um unsere Kinder", sagte die gelernte Journalistin jüngst in einem Interview. Während der Kanzlerjahre von 1998 bis 2005 war in erster Linie sie für Haushalt und Kindererziehung zuständig. "Jetzt ist er dran Von Martin Moravec und Jan-Henrik Petermann (dpa)

Hannover. Doris Schröder-Köpf hat ihren Mann Gerhard schon auf Kurs gebracht. "Wenn ich wegen meiner politischen Arbeit nicht da sein kann, kümmert er sich um unsere Kinder", sagte die gelernte Journalistin jüngst in einem Interview. Während der Kanzlerjahre von 1998 bis 2005 war in erster Linie sie für Haushalt und Kindererziehung zuständig. "Jetzt ist er dran."Ihre eigenen Ambitionen hat Schröder-Köpf lange hinten angestellt - nun hat sie gute Chancen, sie endlich in die Tat umzusetzen: Die Nominierung als Direktkandidatin der SPD Hannover für die Landtagswahl im Januar in Niedersachsen ist für die zierliche Frau ein wichtiger Schritt beim Gang auf die politische Bühne - womöglich hin zu dem großen Ziel, eine Art deutsche Hillary Clinton zu werden.


Seit 1997 ist sie Mitglied der Sozialdemokraten. Ihr Mann spielte die erste Geige, doch jetzt proben die Schröders den Rollentausch: Während er den Nachwuchs unter seine Fittiche nimmt, hat sie das Parlament im Blick. Der Vorteil des Kanzlers a.D. sei, dass die Kinder Klara, Viktoria und Gregor inzwischen selbstständiger sind. Grund genug für Schröder-Köpf beruflich selbst noch einmal durchzustarten. "Das ist eine frohe Überraschung", sagt die 48-Jährige über das Votum der SPD-Delegierten in ihrem künftigen Wahlkreis in Hannover, wo sie eine Zustimmung von 64 Prozent bekam. Der Landesparteichef ist jedenfalls voll des Lobes: "Sie ist eine Frau von Format und wird nicht nur viel Erfahrung, sondern auch viele neue Ideen einbringen", sagt Stephan Weil, der CDU-Ministerpräsident David McAllister ablösen will.

Die Frau des 67-jährigen Altkanzlers hatte früh das Ziel, in der Politik mitzumischen. "Aber als mein Mann noch Bundeskanzler war, war es einfach nicht möglich, auch weil die familiären Verpflichtungen dagegen standen", sagt Schröder-Köpf, die während ihrer Schulzeit in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv war. Auf die Fahnen geschrieben hat sie sich Familienfreundlichkeit und die Sicherung der Pflege. Der demografische Wandel soll ihr großes Thema werden.

Schröder-Köpf ist im bayerischen Neuburg an der Donau geboren, als Tochter eines Mechanikermeisters und einer Hausfrau. Nach ihrer Internatszeit bei den Franziskanerinnen nahm ihre Karriere Fahrt auf. Sie wurde Journalistin, arbeitete unter anderem bei der "Augsburger Allgemeinen", "Bild" und "Focus". Ihr erstes größeres Interview führte sie mit dem heutigen Außenminister Guido Westerwelle (FDP).

Zum heutigen "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann knüpfte sie früh Kontakte: "Als er in Bonn war, habe ich eine Zeit lang seine Texte redigiert. Ich wusste, der wird später Chefredakteur." Ein dickes Fell zeigte Schröder-Köpf während der Zeit als Kanzlergattin: Vielfach wurde sie als "Heimchen am Herd" verspottet. Viele hätten aber nicht beachtet, was sie zuvor schon geleistet habe.



Schröder-Köpf schuf sich Freiräume - mit karitativen Projekten oder der Arbeit an "Der Kanzler wohnt im Swimmingpool", einem Buch zum besseren Verständnis von Politik. Seit Anfang 2011 gehört sie auch dem Aufsichtsrat von Karstadt an. Den Traum von einer aufregenden Zukunft hat sie mit Leben gefüllt.Foto: dpa