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Vom Springbrunnen ins tiefe Meer

Homburg. Helmut Fackler

Ihren Klavierabend wolle sie den Opfern der aktuellen Flugzeugkatastrophe in Frankreich widmen, sagte Hélène Grimaud am Donnerstag zu Beginn des Meisterkonzerts. "Alles . . .fließt" war das Motto, und so gab es bis zur Pause Wasserspiele unterschiedlichster Art zu bestaunen. Einzelstücke und Teile aus Zyklen verschiedener Komponisten wurden zu Variationen über das Ur-Element Wasser. So etwa Berios "Wasserklavier", eine vollgriffige "Barcarolle" von Fauré, Ravels impressionistische "Jeux d'eau" oder im Gegensatz dazu Liszts "Jeux d'eau à la Villa d'Este", deren glitzerndes Lauf- und Trillerwerk Umhüllung ist für den Grundgedanken vom "Urstoff Wasser".

Sieben Oktavräume umfasst Debussys "Cathédrale engloutie", deren atmosphärische Transparenz sich zur Unheimlichkeit der vier Glockenschläge steigerte, um wieder ruhig in der Tiefe der See zu versinken. Es war ungemein fesselnd, wie diese Ausnahmekünstlerin mit kraftvollen Valeurs, mit dynamischer Breite vom filigranen Piano bis zum schonungslosen Fortissimo inszenierte. Sie scheint gewohnt zu sein, große Säle auch akustisch zu füllen. Sie beherrscht nicht nur alle virtuosen Techniken, die sie mit ruhiger Überlegenheit einsetzte. Vom fein perlenden Springbrunnen bis zur Wucht der Meeresbrandung entwarf sie bis ins Detail durchgearbeitete Breitwandgemälde.

So legte sie auch die fis-moll-Sonate von Brahms an, deren Ecksätze vom ungebändigten improvisatorischen Überschwang des jungen Komponisten beherrscht werden. Poesie im Andante und wilde Reiterei im Scherzo waren weitere Gelegenheiten, das große musikalische Temperament der Künstlerin zu erleben. Die Begeisterung im Saal war groß, und großzügig gewährte Hélène Grimaud vier Zugaben, die den Kreis zum Wasser-Thema wieder schlossen.